Juli 2000 ÖN 31
ÖKOSTADT-Projektzentrum in Lychen (S. 2)
ÖKOSTADT-Genossenschaft (S. 3)
Abbau des Schienenverkehrs in der Uckermark (S. 6)
Demonstrative Fahrradtour 2000 (S. 8)
Fernfahrradwege im Land Brandenburg (S. 9)
Palästina/Israel-Kulturfest in Lychen (S. 10)
Genmanipulierte Pflanzen in der Uckermark (S. 11)
Keramik-Kurse bei ÖKOSTADT in Lychen (S. 12)
Von der Baubiologie zur Baukultur (S. 14)
Exkursion zum Demeter-Hof Marienhöhe (S. 15)
Öko-Landbau (S. 16)
Kreuzberger Notizen zum Jugoslawien-Krieg (S. 17)
Umfrage bei ÖKOSTADT. Wohin will ÖKOSTADT? (S. 18)
Kurt Kretschmann: Herbert (S. 20)
Fördert das Internet die Kommunikation? (S. 23)
Die Tage Ende Mai und zwischen dem 1. und dem 4. Juni waren bei uns im ÖKOSTADT - Haus eine ereignisreiche Zeit. Im Mai legten fleißige HelferInnen letzte Hand an, und viele Arbeiten im Erdgeschoß wurden abgeschlossen.
Am 1.6. feierte der Stadtchor Lychen bei uns seine traditionelle Himmelfahrts-Grillparty. Wie wir schon seit dem Indienfest wußten, verkraften Haus und Hof locker 40, 50 muntere Gäste. Es hat allen gefallen, wie danach immer wieder versichert wurde.
Am 2. 6. trudelten dann die Teilnehmer der demonstrativen Fahrradtour Berlin-Lychen-Berlin" ein. Bei gutem Wetter, gutem Essen, guter Stimmung gab es viele schöne Begegnungen mit alten Bekannten und Freunden aber auch neuen, neugierigen Gästen. Philip berichtet in dieser Ausgabe auf Seite 9 von der Tour und macht zugleich neue Vorschläge, wie in Zukunft bei ÖKOSTADT eine demonstrative Fahrradtour (oder mehrere) aussehen könnten.
Am 3. Juni trafen sich dann einige Ökostädter im eher kleinen Kreis zum Frühlingstreffen. Passend zum sozusagen offiziellen Abschluß der Bauarbeiten im Erdgeschoß, erlebten wir auch gleich zwei, drei Premieren: Walter stellte moderne Projektionstechnik vor, die es erlaubt, einen ganzen Spielfilm von der Silberscheibe", einer DVD, ähnlich einer CD, über den PC abzuspielen. Wir erlebten in unserem Veranstaltungsraum die Wiedergabe eines amüsanten irischen Films in ausgezeichneter technischer Qualität. Das war zugleich ein Stückchen Zukunftsmusik von dem, was unser Projektzentrum eines Tages seinen Besuchern bieten soll. Gegenwart und Zukunft zugleich verkörpert der Keramik-Brennofen im Keller unseres Hauses. Berthe und Ulf haben ihn erprobt. Er funktioniert einwandfrei. Die ersten Keramiken wurden, angeregt von Berthe, geformt. Jetzt, da ich dies schreibe, haben sie bereits ihren Rohbrand gut überstanden. Keramik ist möglich! Im Clubraum hat die Genossenschaft ein Schauregal eingerichtet mit ihrem Angebot Bioprodukte preiswert". Nein, bis zum kleinen, feinen Hofladen haben wir es noch nicht gebracht. Aber ein schöner Lagerkeller wird langsam fertig und einige Ideen zur Erweiterung des Handels und für einen Hofmarkt sind schon gekeimt.
Kurzum, in den ersten Junitagen ging der Abschluß der Hauptbauarbeiten nun auch im Erdgeschoß nahtlos über in die Benutzung der neuen Räume und Einrichtungen.
Das war nur möglich, weil einige unserer GenossenschafterInnen (und auch Nichtgenossenschafterinnen) auf den Appell des Vorstands vom April positiv reagiert und kurzfristig 16.000,-DM zur Verfügung gestellt haben. Dies geschah teils in Form der Erhöhung ihrer Geschäftsanteile, teils als zinslose Darlehen. Damit konnten wir nicht nur die geplanten Baumaßnahmen abschließen, sondern zugleich mit dem Aufbau unseres Biohandels beginnen, der uns ja auch zunächst einige tausend DM Vorleistungen abforderte. (Es scheint jetzt, als ob der Juni der erste Monat wird, in dem unsere Umsatzerlöse aus Bioprodukten die notwendigen Einkäufe übersteigen.)
Heute sagt der Genossenschaftsvorstand besonders herzlichen Dank allen HelferInnen und UnterstützerInnen in dieser Bau-Abschlußphase, namentlich Ute Finckh, Amadeus, Ingrid und Gerd, Regina und Walter, Berthe, Rolf Löschner, Wolfgang, Ulf, Kathrin, Raul und Szilvia. Und damit sind gewiß nicht vollzählig alle genannt.
Das bunte Leben in der V4 in den ersten Junitagen war ein Anfang. Mehr noch nicht. Weit mehr Ideen und Taten brauchen wir, um das, was wir geschaffen haben, jetzt auch wirklich auszunutzen. Einen kleinen Überblick, über das, was die Genossenschaft angefangen hat, versuche ich an anderer Stelle in diesem Heft zu geben. Aber es bleibt jede Menge Freiraum für mehr! Nutzen wir ihn! Gebt Anregungen, macht Vorschläge. Möglichkeiten gibt es viele, macht `was draus - wie es uns z. B. Doris Pfaff kurz entschlossen vormacht (Vergl. Seite... in diesem Heft).
Wie aber sieht es jetzt mit dem Bauen aus? Geht es überhaupt weiter? Und wenn ja, wie?
Es scheint offensichtlich zu sein, daß zum vollendeten Projektzentrum die Sanierung des Seitenflügels gehört. Doch wer braucht das vollendete Projektzentrum - also mit ausgebautem Pensionsteil - wirklich? Und wer kann das bezahlen? Zur Zeit schieben wir dieses Problem ohne Entscheidung vor uns her.
Wenn wir gegenwärtig vom Bauen reden, dann backen wir viel kleinere Brötchen. Und wir versuchen, uns ganz konsequent nach unserer Finanzdecke zu strecken. Die angesparten Mittel, sowohl des Vereins als auch der Genossenschaft, sind erschöpft, Wir können und wollen nur in dem Umfang weiter bauen, wie unsere Einkünfte die Ausgaben übersteigen. Selbst einen Kredit, der uns für die Holzheizung zur Verfügung steht, rufen wir z. Z. nicht ab, um die damit verbundene Zins- und Tilgungsbelastung zu vermeiden.
Die Reduzierung der Bautätigkeit sollten wir mit der Konsequenz verbinden, daß die bisher gezahlte Reisekostenerstattung für ehrenamtliche Bauhelfer wegfällt. Auch das Abgrenzungsproblem - welche Arbeit ist noch Bauhilfe, welche nicht? - , das uns in der Vergangenheit manchmal beschäftigt hat, würde damit entfallen. Arbeiten aller Art in unserem Projektzentrum - und viele wurden und werden ständig geleistet und sind auch weiterhin notwendig - sollten in Zukunft nicht nur kostenlos, sondern auch nicht mehr mit einer Reisekostenerstattung verbunden sein. Neu einführen sollten wir aber, was in vielen Projekten gang und gäbe ist, daß wir für kostenlose Arbeit die Unterkunft frei zur Verfügung stellen. Unsere beiden fleißigen freiwilligen Helfer Szilvia und Raul haben von Anfang an gerade diese Regelung bevorzugt.
Doch es wird einige Ausnahmen geben, vor allem dann, wenn es um Arbeiten geht, für die wir Baufirmen einsetzen müßten, wenn wir sie nicht selbst schaffen. Der Einbau der Komposttoilette möglichst noch vor dem Sommerlager und ebenso der spätere Bau der Regenwassersammelanlage sind einzelne, klar umrissene Baumaßnahmen, die wir nicht lange aufschieben wollen. Für sie sind Bauhelferleistungen nach altem Bezahlungsmodus möglich und notwendig. Wird eine Konkurrenz entstehen, wer diese leisten darf? Wird es etwa Privilegierte" geben? Das wollen wir natürlich vermeiden.
Wir schreiben hiermit diese beiden Maßnahmen öffentlich für alle Ökostädter aus. Unterlagen sind erarbeitet, die einen Aufwand für den Bau der Komposttoilette von ca. 125 Std. ausweisen, für die Regenwasseranlage sind es ca. 330 Stunden. Wer will sich an diesen Arbeiten als Bauhelfer beteiligen? Bitte meldet Euch beim Vorstand der Genossenschaft! Und nicht nur zu diesen Arbeiten. Zu allen Problemen und Vorschlägen des Nutzens und Bauens in der V4 ist Eure Meinung gefragt.
Damit aus dem nun fertigen Gehäuse ein von Leben erfüllter Raum wird.
Vielleicht Mäuse, mag jemand vermuten. Aber Mäuse verirren sich, auch wenn bei uns dauernd die Türen offenstehen, im Sommer kaum zu uns. Auch Katzen leben nicht ständig auf unserem Grundstück. Spüren die klugen Tiere etwa irgendwelche unangenehmen Energien? Hummeln und Hornissen dagegen sind, zu unserer Freude, hier seit langem heimisch.
War es das Energiefeld der Rackerei und Plackerei des Bauens, das manches sanftmütige Lebewesen verscheucht hat? -
Das könnte sich nun allmählich ändern.
Eberhard meinte, daß uns vielleicht ein(e) Geomantikmeister(in) Deutungen liefern könnte. Warum eigentlich nicht? Zum Thema Feng Schui" hatten wir schon einmal anregende Gespräche. Viele Ökostädter würden gern verborgenen Energien auf die Fährte kommen. Und nicht nur Ökostädter" - sagt dazu der Genossenschafts-Kassenwart: Reiht Seminare an Gesprächsrunden, laßt Workshops folgen. Zufriedene Gäste und ihre Zahlung sind Balsam für die ökostädtische Strahlung."
Nun also konkret: Was bietet und bewegt die Genossenschaft z. Z. im und mit dem ÖKOSTADT - Haus?
Auf vier Feldern (an Glücksklee erinnernd) sind wir aktiv:
- Beherbergung/Vermietung
- Veranstaltungen
- Handel mit Bioprodukten
- Vertriebspartnerschaft für Grünen Strom.
Zum Thema Wohnraumvermietung fasse ich mich kurz. Erfreulicherweise sind seit ihrer Fertigstellung alle Wohnräume im Vorderhaus vermietet. Das ist auch in Lychen keine Selbstverständlichkeit. Selbst die kurzfristige Kündigung durch die Bau GmbH haben wir ohne größere Ausfälle gemeistert. Andererseits scheint es auch kaum unbefriedigten Bedarf zu geben. Zumindest gibt es bis jetzt keine entsprechenden Anmeldungen oder Anträge an den Vorstand.
So wiederholen wir unsere Bitte, daß sich Interessenten an Wohnraum in der V4 jetzt melden, damit wir eine Warteliste anlegen können. Die Genossenschaftsversammlung sollte sinnvollerweise Vergaberichtlinien beschließen.
Anders als bei der Wohnraumvermietung kann und soll sich auf dem Feld der Beherbergung einiges tun. Im zweiten Halbjahr 1999 haben wir aus Beherbergung 1730,-DM eingenommen. Im ersten Halbjahr 2000 werden es rund 1600,-DM sein. Das ist wahrlich keine rasante Steigerung, auch wenn man bedenkt, daß 1999 allein 920,-DM im August, dem Monat des Sommerlagers, erzielt wurden. Mit der Fertigstellung der Wohnungen im Vorderhaus hatte sich ja unsere Beherbergungskapazität kaum vergrößert. Auch jetzt schafft die Fertigstellung des Erdgeschosses unmittelbar keine neuen Beherbergungsplätze. Aber dennoch entspannt sich unsere Raumsituation, und mit Flexibilität und Improvisationsgabe schaffen wir es, mehr und qualitativ bessere Schlaf-, Sanitär- und Versorgungsplätze anzubieten. Kürzlich besuchte uns eine Gruppe von 21 Radtouristen. Sie übernachteten alle bei uns und wurden einen ganzen Tag beköstigt. Sie waren vollauf zufrieden. Das stelle ich nicht zum Selbstlob fest. Wie schwach, wenig belastbar und sogar lückenhaft das Netz unserer Leistungen noch ist, steht außer Frage. Wesentlicher ist aber, was nun machbar geworden ist und daß wir es lernen, unsere Möglichkeiten sowohl besser auszuschöpfen als auch im gleichen Zug zu erweitern.
Jede(r) Ökostädter(in) kann uns dabei helfen, zweifach, nämlich einerseits durch konstruktive Kritik, damit wir besser werden - nicht nur schlechthin besser, sondern vor allem, daß wir unser ureigenes Profil finden und viel deutlicher ausprägen.
Die zweite Unterstützung wäre ganz einfach, uns öfter zu besuchen. Da meine ich diesmal nicht etwa die Bauhilfe und auch nicht die allgemeine Projektsolidarität, sondern schlicht den Konsum unseres Erholungs-, Versorgungs-, Unterhaltungs- und Bildungs- aber auch Gesprächsangebots in Lychen. Würde nur jede(r) zweite Ökostädter(in) einmal im Jahr mit Kind und Kegel oder Eltern und Tanten oder Freunden und Bekannten hier drei Tage verbringen, so wäre er/sie für geringes Geld um ein schönes Erlebnis reicher. Und die Genossenschaft könnte zugleich ihre Einkünfte aus Beherbergung verdoppeln und verdreifachen.
Wir wollen durch Veranstaltungen vielfältiger Art unser Haus zu einem Anziehungspunkt machen, einem Anziehungspunkt für zahlende Gäste. Und zugleich wollen wir selber hier vor Ort uns darin wohlfühlen. Feste, Treffen aller Art, nicht nur während des Sommerlagers, haben ja bei uns Tradition. In den letzten Monaten sind die Montagsdiskussionen dazugekommen (am zweiten Montag jeden Monats; im Juni ging es um Ökonomie bei Ökostadt, im Juli wird es um Grüne Geldanlage und im September voraussichtlich um Siedlungspolitik/Bauen im Außenbereich gehen). Diesmal werden wir im Sommerlager wohl eine interessante Form von Zukunftswerkstatt gestalten. Regelmäßige Kinoveranstaltungen (der etwas anderen Art) sind in den Bereich des Möglichen gerückt. Eine neue schöne Idee ist es, um die Weihnachtszeit eine Modellbahnausstellung zu veranstalten. Ob sich genügend Modelleisenbahner in die Spur begeben? Sicher wird unsere kommende ABM den Strauß interessanter Veranstaltungsangebote bereichern.
Wir haben angefangen, uns ernsthaft um die Durchführung verschiedener Workshops und Seminare zu bemühen. Die preiswerten Angebote von Zeichen- und Sehwerkstätten im Herbst 99 sind Euch sicher noch in Erinnerung. Für Juni 00 waren Workshops Plastisches Gestalten" geplant. Im August wollen wir Gastgeber eines RAKU-Kurses sein. Im September soll es Workshops in Zeichnen, Plastik, Keramik geben (die Faltblätter liegen dieser Zeitung bei).
Die Ergebnisse dieser Anstrengungen sind bisher leider völlig unbefriedigend. Die öffentliche Resonanz war bisher so gering, daß fast alle der geplanten Kurse ausfallen mußten. Erste Erfahrungen haben wir gemacht, einige Lehren konnten wir ziehen aber daß wir nun wüßten, wie das Veranstaltungsangebot ein wirtschaftliches Standbein der ÖKOSTADT eG werden könnte, davon kann noch keine Rede sein.
Erfolgreich sind unsere ersten kleinen Schritte mit dem Biohandel. In knapp drei Monaten haben wir Bioprodukte für 4548,-DM ge- und für 3149,-DM verkauft. Und welchen Wert hat unser Lagerbestand? Leider beherrschen wir unser PC-Programm Lagerverwaltung", das wir vorausschauend gekauft hatten, noch nicht so perfekt, daß wir tagesaktuell über eine rechnerische Inventur verfügen. Wie auf so vielen Gebieten: Wir lernen die ersten Schritte, indem wir sie machen. Unser Lagerberstand hat einen Wert von rund 1700,-DM.
Ich freue mich über jede Mark Überschuß aber mehr noch über den Fortschritt zu mehr Vollwertigkeit in unserer eigenen Ernährung, zu mehr Konsequenz, mit der wir ökologisch bewußt leben und nicht zuletzt über den Impuls zu mehr Kooperation und Solidarisierung unter Ökostädtern, den unser Handel mit sich gebracht hat.
Unser kleiner Handel ruft nach Erweiterung. Schritte in die Lychener Öffentlichkeit, Schritte auf Märkte, Schritte nach Berlin, in Berlin stehen auf der Tagesordnung. Wer wird sie gehen?
Die aktuelle Sortimentsliste unserer Bioprodukte preiswert" liegt dieser Zeitung bei.
Würden die oben im Gedankenexperiment erwähnten Ökostädter-Beherbergungsgäste ein wenig Gefallen an mehr vollwertiger Ernährung finden - so wie es uns V4-Bewohnern" selbst gegangen ist - dann könnte unser Biohandel allein dadurch seinen derzeitigen Umsatz annähernd verdoppeln. So würde er anfangen, wirklich ein wirtschaftlicher Faktor für die ÖKOSTADT eG zu werden.
Einen nächsten ökologisch-wirtschaftlichen Schritt haben wir vorbereitet - elektrischer Strom aus erneuerbaren Energiequellen, Grüner Strom, der diesen Namen wirklich verdient. Lange haben wir gesucht, ich habe bereits in ÖN30 davon berichtet. Nicht zuletzt mit Hilfe von Jörg Bergstedt und seinem Konzept der Ökologie von unten", haben wir nun einen Stromlieferanten gefunden, die Naturstrom AG", der unseren hochgesteckten Kriterien zu genügen scheint. (Diese recht vorsichtige Ausdrucksweise deshalb, weil noch nicht alle geplanten Verträge mit Naturstrom unter Dach und Fach sind.) Schon bald werden wir uns stolz atomstromfreie Zone" nennen und selbst das Goldene Label des Grüner Strom Label e.V." tragen. Dieser Verein wurde auf Initiative unter anderem von EUROSOLAR, BUND und NABU gegründet. Das Goldene Label wird ausschließlich für Strom vergeben, der zu 100% aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, also aus Photovoltaik (PV), Wind, Biomasse (die nach den Regeln der okologischen Landwirtschaft angebaut wird), Wasserkraftanlagen bis 10 MW oder aus Anlagen, die durch Sonnenwärme oder Erdwärme gespeist werden. Dieser Strom wird von Unternehmen angeboten, die keinen anderen als Grünen Strom anbieten und die auch keinen Anteilseigner mit Sperrminorität haben, der Strom aus Atomkraftwerken anbietet Es besteht eine Quote für Neuanlagen, d.h. eine Menge von 10% des verkauften grünen Stroms muß im Folgejahr aus neuen Erneuerbaren Energie-Anlagen bezogen werden. Der Strom soll in regionaler Nähe zu den Verbrauchern erzeugt werden. An der Präzisierung dieser Regelung wird gearbeitet. Neue (Klein-)Erzeuger von Grünem Strom können durch kostendeckende Einspeisevergütung unterstützt werden.
Der Strompreis setzt sich bei der Naturstrom AG zusammen aus einer Grundgebühr von 9,50 DM/Monat und einem Arbeitspreis von 34,5 Pfennig pro Kilowattstunde (kWh). Die uns entstehenden Mehrkosten wollen wir durch Stromsparmaßnahmen ausgleichen. Die Wichtigste: Seit einigen Tagen wird bei uns nicht mehr elektrisch gekocht.
Eine wichtige Komponente unserer Beziehung zur Naturstrom AG ist, daß wir Vertriebspartner werden wollen, d. h. wir informieren und werben in vielfältiger Weise für Grünen Strom - eine Tätigkeit, die dem Projektzentrum ÖKOSTADT sicher gut zu Gesicht steht - und wir bemühen uns gegen Provision konkret Stromkunden für die Naturstrom AG zu gewinnen. Sobald die entsprechenden Verträge mit Naturstrom abgeschlossen sind, werden wir allen Ökostädtern detaillierte Informationen zukommen lassen, um möglichst viele für den Schritt Wechsel zur Naturstrom AG" zu gewinnen.
Und eine dritte Seite hat unser Engagement für Grünen Strom - die Stromerzeugung. Zur Zeit prüfen wir die Bedingungen, eine Photovoltaikanlage auf unserem Stallgebäude zu errichten. Naturstrom hat signalisiert, daß die Zahlung einer kostendeckenden Einspeisevergütung durch sie möglich ist. Ulf ist fleißig am Recherchieren, damit wir alle Bedingungen einer solchen Investition kennenlernen und die Entscheidung richtig treffen können.
Eisenbahnstrecken nördlich von Berlin: Streckenkarte von 1994. Einzelne Streckenstillegungen nach der "Wende" hatte es bereits gegeben. Diese Strecken sind auf der Karte noch als Doppelline verzeichnet. Die Karte erschien in der ÖN13 (Februar 1996) in Helmut Horsts Artikel zur damals bevorstehenden Stillegung der Eisenbahnstrecke über Lychen.
Eisenbahnstrecken nördlich von Berlin: Strecken mit Schienenpersonennahverkehr (SPNV) nach dem Fahrplanwechsel Mai 2000. Die Streckennummern von 1994 wurden hier der Einfachheit und Vergleichbarkeit halber beibehalten. Die Uckermark (nordöstliches Viertel dieses Kartenausschnitts) hat besonders viele SPNV-Strecken verloren: neben den drei Strecken der ehemaligen Prenzlauer Kreisbahn inzwischen zwei der 1995 noch vier Strecken des so genannten Templiner Kreuzes. Mit dem Wegfall der Verbindung Templin-Prenzlau gibt es zwischen dem Altkreis Templin und der restlichen Uckermark (Prenzlau, Angermünde und Schwedt) keine Bahnverbindung mehr. Bis 1945 hatte Templin sogar fünf Zulaufstrecken: Die Stichstrecke nach Fürstenwerder wurde nach dem zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung abgebaut. Lychen (Templin-Fürstenberg) wurde 1996 vom Schienennetz abgekoppelt. Noch liegen die ungenutzten Gleise zwischen Fürstenberg und Templin sowie zwischen Templin und Prenzlau. Zielnetz 2000 auf der nächsten Seite.
Eisenbahnstrecken nördlich von Berlin: verbleibende Strecken mit SPNV nach Verwirklichung des "Zielnetzes 2000" für Berlin und Brandenburg, welches lediglich die als "ausbauwürdig" eingestuften Schienenstränge enthält (vgl. vorhergehende Seiten). Auch hier wurden der Vergleichbarkeit halber die Streckennummern von 1994 beibehalten. Berücksichtigt ist hier auch die geplante Stillegung zwischen Pritzwalk und Güstrow sowie die Planung für den Prignitz-Express. Vom Templiner Kreuz würde nur noch eine der einst fünf Strecken übrig bleiben: Löwenberg - Templin/Stadt. Angesichts fehlender Investitionsmittel erscheint selbst der Ausbau dieser Strecke für zumindest 80 km/h fraglich. In der "Bürgerinitiative Schnelle Bahn" (BISS) machen sich Templiner Geschäftsleute für einen Ausbau der Strecke auf 120 km/h stark. Das Interesse für die anderen drei baulich noch vorhandenen Templiner Zulaufstrecken ist dagegen gering. Auch von Eberswalde nach Templin - derzeit noch in Betrieb - würde es ÖPNV nur noch mit dem Bus geben.
Am Nachmittag des 26. 5. 00 radelte ich zum Bahnhof Prenzlau Vorstadt, um ein (vorerst?) letztes Mal eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Uckermark in einem Triebwagen sitzend zu befahren. Am Eingang des kleinen Wartesaals hängt ein Zettel mit der lapidaren Bemerkung: Ab 28. 5. 2000 wird der Zugverkehr zwischen Prenzlau und Templin eingestellt. DBAG." Der Zug kommt pünktlich. 6 Fahrgäste sitzen bereits darin, darunter 3 Männer, die sich mit Fotoapparaten an der Fahrerkabine aufhalten.
Trotz herrlichen Sonnenscheines nahm mich diesmal die schöne Landschaft nicht gefangen. Eine Gefühlsmischung aus Trauer und Zorn machte sich in mir breit. Mir kamen die Stationen zur Stillegung in den Sinn. Schon nach der Wende wurden Überlegungen der Bahn bekannt, von den 4 Strecken nach Templin nur die von Berlin über Löwenberg zu erhalten. Vor meinem Umzug in die Nähe des Bahnhofes Haßleben wurde der Haltepunkt Groß Sperenwalde geschlossen. Laut Aussage eines Zugführers war dieser Haltepunkt der meistgenutzte nach Haßleben an der Strecke Templin - Prenzlau.
Es gab Bemühungen seitens des Fahrgastverbandes, der Strecke neues Leben einzuhauchen. Busanschlüsse in Haßleben wurden geschaffen (8/97), ein neuer Haltepunkt in Petznick sollte gebaut werden, der Parallelverkehr von Bussen sollte eingestellt werden. Es braucht attraktive Angebote und einen langen Atem , um Reisende für die Bahn (wieder) zu gewinnen. Doch mit dem nächsten Fahrplanwechsel (5/98) gab es keine Busanschlüsse mehr, in Petznick wurde nicht gebaut, der Bus fuhr weiter parallel. Hinzu kam eine ständige Verschlechterung der Fahrpläne (die übliche Methode!), ungünstige Zeiten für Berufstätige und Schüler, kein Abendverkehr, von 5/98 bis 5/99 wurde in Haßleben umsteigen nötig. Auch wenn dieses Umsteigen im letzten Jahr entfiel, verlängerten sich seit 5/99 die Reisezeiten durch längere Stehzeiten. Zudem waren nun auch die Anschlüsse in Oranienburg gekappt. Auf eine Beschwerde von meiner Seite, verbunden mit Vorschlägen an die Abt. Nahverkehr, bekam ich die üblichen nichtssagenden Antworten. Da ich bereits erlebt hatte, daß hartnäckiger Einsatz für eine attraktive Bahn mit Bahnhofs- oder Streckenstillegungen bestraft wird (die beste Methode, (widerständige) Fahrgäste auszuschalten) wehrte ich mich nicht weiter. Das Todesurteil war längst verhängt, schon allein die ständigen Fahrpreiserhöhungen bedeuten für viele Nebenstrecken das Aus.
Dabei will von den Potentialen, die in dieser Bahnstrecke stecken, kaum jemand was wissen. Immerhin ist es die einzige Bahnverbindung vom Altkreis Templin zur Kreisstadt Prenzlau. Oder seien es die Möglichkeiten, die diese Bahnstrecke als Touristenattraktionen bietet (oder hat jemand schon im IR oder IC die Durchsage gehört, dass linkerhand ein Rudel Damwild zu besichtigen sei?)
Es gibt die nötige Beschaulichkeit zum Entdecken der Landschaft, vielfältige Möglichkeiten zum Weiterwandern oder Radeln und die hintergründige Angst, als Mus wie in Eschede zu enden, entfällt. Auch für den Güterverkehr gibt es Perspektiven, nicht umsonst gab es gerade dort hartnäckigen Widerstand gegen die Schließung. So bleibt der Bahnhof Prenzlau-Vorstadt vorerst für Güterwaggons erhalten, auch in Haßleben gibt es noch Widerstand. Der dortige Landmaschinenhandel ließ sich bisher per Bahn beliefern.
Zurück zu meiner Abschiedsfahrt. In Haßleben steht schon der Gegenzug. Eine Frau und die Schaffnerin steigen zu. In Kreuzkrug steigt ein Mann aus. Für mich hält der Zug in Fährkrug. Auf dem Wanderweg am Seeufer nach Templin hält mich das Thema weiterhin besetzt.
Wie geht es weiter? Jetzt kommt auch im Zweistundentakt der Busverkehr angeblich billiger - von Jahr zu Jahr reduziert, wie an den vor einigen Jahren stillgelegten Strecken Prenzlau - Straßburg und Prenzlau - Brüssow - Löcknitz gut nachzuvollziehen ist.
Auch wenn Templin noch Optimismus zeigt, betreffs Chancen und Ausbaus der Strecke nach Berlin, sehe ich das anders. Wenn Einheimische wie Gäste sich nur in eine Richtung mit dem Zug bewegen können, werden sie gleich mit dem Auto fahren. Seit heute (28.5.) gibt es zwar Einstundentakt, andererseits hat sich die Fahrzeit zwischen Templin und Berlin wieder verlängert durch mehr Stehzeiten. Glaubt wirklich noch jemand, daß ein DBAG und verantwortlicher Politiker ein Interesse an der Flächenbahn hat?
Zwar nicht im Landkreis Uckermark gelegen, aber diese Urlaubsregion betreffend wurde auch die Bahnstrecke Neustrelitz-Feldberg stillgelegt.
Wo also bleiben die Menschen, Initiativen, Vereine, Kommunen und das nötige Geld, um diese Bahnstrecken zu übernehmen, um ein Musterbeispiel für attraktiven Nahverkehr und sinnvolle, gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen?
Zum Abschluß noch die Freudenträne zur traurigen Botschaft. Wahrscheinlich hört nun die Pestizidspritzerei auf den stillgelegten Bahndämmen auf.
Nun bereits zum zweiten Mal hat die demonstrative Fahrradtour Berlin-Lychen-Berlin des Fördervereins ÖKOSTADT e. V. stattgefunden. Mit der Fahrraddemo macht sich ÖKOSTADT stark für einen komfortablen Fahrradwanderweg abseits Kfz-belasteter Hauptstraßen zwischen der Bundeshauptstadt und Lychen mit nördlichem Anschluss an das teilweise schon existierende Mecklenburger Wegenetz in Richtung Neustrelitz. Vielerorts gibt es in Brandenburg keine ruhigen Strecken, auf denen man sich mit dem Fahrrad ohne Verkehrslärm bewegen kann und die zugleich einen gewissen Fahrkomfort bieten. Dies gilt in besonderem Maße auch für die Verkehrswege in die Bundeshauptstadt. Darüber hinaus setzt sich ÖKOSTADT ein für eine langfristige Perspektive für die 1996 stillgelegte und 1999 entwidmete Bahnstrecke Fürstenberg-Lychen-Templin, die durch Umschichtung von Mitteln aus dem Straßenneubau für eine Geschwindigkeit von 80 km/h saniert werden könnte. Einen Bedarf sieht ÖKOSTADT besonders wegen des starken sommerlichen Urlaubsverkehrs nach Lychen und Himmelpfort, der wieder verstärkt auf der Schiene statt finden sollte, und dies aus Berlin sogar mit Reisezeitvorteil gegenüber dem Pkw. Die Lebensqualität in einem möglichen Kurort Lychen würde für EinwohnerInnen wie für Feriengäste erheblich zunehmen und so die Attraktivität als Reiseziel steigen. Hinsichtlich des Fahrkomforts, der Reisegeschwindigkeit, besonders aber der Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern oder Rollstühlen können die Autobusse keinen Ersatz für eine sanierte Nebenbahn bieten. Anders als eine Eisenbahn kann ein Bus, der die selben Straßen befährt wie der Individualverkehr, niemals schneller sein als der private Pkw. Die Einstellung des Schienenpersonenverkehrs zwischen Templin und Prenzlau sowie zwischen Neustrelitz und Feldberg zum aktuellen Fahrplanwechsel ist hierfür ein falsches Signal.
Startpunkt der Tour war 10 Uhr am Alexanderplatz an der Weltzeituhr, von wo aus es über die Schönhauser Allee, Pankow, Rosenthal und Blankenfelde nach Schildow ging. An der Kirche in Mönchmühle (nahe dem S-Bahnhof Mühlenbeck-Mönchmühle) war ein zweiter Treffpunkt. Die Zahl der Teilnehmenden stieg gegenüber dem letzten Jahr um einen Menschen auf 13. Von diesen hatten vier schon letztes Jahr teilgenommen. Um allgemein als Demo sichtbar zu sein und zugleich zügig voranzukommen, fand die Tour überwiegend auf asphaltierten Straßen statt, zwischen Groß Schönebeck und Gollin (am ersten Tag) auf der B109. Die Streckenführung war im großen und ganzen die selbe wie letztes Jahr, wir vermieden diesmal jedoch vollständig extreme Holper- und Sandstrecken. Polizeibegleitung gab es nur am gesamten ersten Reisetag (Christi Himmelfahrt) in Berlin und weiter bis Vietmannsdorf. Dies führte dazu, dass unter anderem auch auf der B109 stressfrei gefahren werden konnte. Dabei war die Pkw-Belastung im B109-Abschnitt nach unserer Einschätzung deutlich geringer als z. B. zwischen Schildow und Liebenwalde. Wir hatten meist ein recht zügiges Tempo (20 bis 22 km/h). Insgesamt wurden am ersten Tag vom Alex nach Vietmannsdorf ca. 80 km zurückgelegt. Am Wandlitzsee hatten wir eine Bade- und Essenspause. Unsere erste Übernachtung hatten wir wie letztes Jahr auf dem Demeter-Hof Staudenmüller in Vietmannsdorf. Am nächsten Morgen halfen wir bei Erntearbeiten mit und blieben wieder bis zum Mittagessen.
Die zweite Etappe von Vietmannsdorf über Templin nach Lychen (gut 30 km) legten wir bei glühendem Sonnenschein zurück. In Folge dessen war das Badebedürfnis in Lychen so groß, dass sich die meisten schnell an den Zens- und den Wurlsee begaben. Auf dem Marktplatz führte ein Teil von uns eine Flugblattaktion durch. Am dritten Tag ging es über Himmelpfort, Tornow, den Ziegeleipark Mildenberg, Zehdenick und Liebenwalde wieder nach Stolzenhagen. Wir konnten diesmal komfortabel in einem Schullandheim am Wandlitzsee übernachten. Am Sonntag ging die demonstrative Fahrradtour von ÖKOSTADT in die Fahrradsternfahrt des ADFC Berlin über und trug somit zu einer deutlichen Stärkung der in Oranienburg startenden Sternfahrt-Gruppe bei.
Für die kommenden Jahre planen wir, unabhängig von der Demo-Radtour Berlin-Lychen-Berlin am Samstag vor der Sternfahrt eine eigene, in Lychen beginnende Fahrraddemo für Fernfahrradwege in Brandenburg zu organisieren, die nach einer Übernachtung am Sonntag früh in Oranienburg, Bernau oder Wandlitz in die Sternfahrt übergeht. Darüber hinaus werden wir eine Reihe von Fahrradtouren, auch während der regelmäßigen Samstags-Exkursionen, durchführen.
Nächste Demonstrative Radtour Berlin-Lychen-Berlin: voraussichtlich Himmelfahrt 2001. Wer hat Lust, bei der Vorbereitung mitzumachen?
Kontakt , Tel. (030) 442 14 86 (Philip Jacobs)
oder , Tel. (039888) 4195 (Roy Rempt).
Liebe Regina Krohne,
nicht nur die Artikel von Kurt Kretschmann gefallen mir in Eurer Zeitung besonders und treffen meinen "Naturnerv".
Nun lese ich Euren Artikel zur "2. Demonstrativen Fahradtour..." und stoße plötzlich auf einen anderen Geist, nämlich den, die Natur lediglich "zu nutzen" für eigene Zwecke.
Zitate: "RadfahrerInnen können zusehen, wie sie mit ... auf sandigen, grob gepflasterten Nebenstraßen...", "...es fällt uns allerdings sehr schwer, abseits der Bundesstraßen geeignete asphaltierte Straßen zu finden. Genau aus diesem Grund findet die Demo ja auch statt." Hilfe, Hilfe, wollt Ihr also für asphaltierte Straßen demonstrieren ??? Ich bin seit vielen Jahren mit der Brandenburger Landschaft verbunden und liebe gerade auch die unasphaltierten Feldwege. Sie gehören zur unserem noch nicht gänzlich nach Westmuster ausgerichtetem Landschaftsbild genauso wie die Alleen. Und außerdem: Denkt Ihr nicht an die andere "Freizeitgruppe" die Wanderer/innen, die keinen Spaß haben werden, demnächst auf Asphaltstraßen laufen zu müssen? Warum nehmt Ihr die Landschaft nicht so natürlich an, wie sie ist. Noch hat sie hier etwas der ursprünglichen Natürlichkeit. Ich habe früher sehr viel ausgedehnte Radtouren über vielfach sandige, holprige Wege unternommen (übrigens besaß ich nie ein Mountainbike). Man/frau braucht eben mehr Zeit für die Tour, weil dazwischen eben mal geschoben werden muß.
Ich denke, Radwege können auch ohne Asphalt geschaffen werden.
In diesem Sinne einen herzlichen Gruß an die Redaktion
Persönliche Antwort von Philip auf Regina Witts Brief
Liebe Regina Witt,
Mit der Forderung nach ausgebauten Fahrradwegen soll es um Möglichkeiten gehen, mit dem Fahrrad als ökologische Alternative zum Auto die naturnahen Räume Brandenburgs bereisen bzw. hier die alltäglichen Wege zurücklegen zu können. Es soll nicht darum gehen, einfach alle Feldwege zu asphaltieren, sondern ruhige, glatte Fernfahrradwege ohne Autoverkehr zu schaffen. Dies bedeutet für mich auf ausgewählten Strecken mit starkem Fahrradpotential auch Asphaltierung. Dadurch können Menschen gewonnen werden, statt mit dem Auto mit dem Fahrrad Ausflüge aus Berlin oder anderen Städten ins Umland zu machen.
In großen Teilen sollten dies kombinierte Fahrrad- und Geh-(Wander-)Wege sein, die nur teilweise befestigt sind. Unbefestigte Wege sind einem starken Fahrradverkehr, besonders aber einem Missbrauch durch Pkw und land-/forstwirtschaftlichen Verkehr nicht gewachsen, wie bedauerlicherweise auch der Fahrradwanderweg zwischen Templin und Fürstenwerder (auf der ehemaligen Eisenbahntrasse) zeigt. Deshalb denke ich: Natürlich sollen die unbefestigten Feldwege großenteils bleiben, zur Fahrradförderung werden kritisch, auch unter Naturschutzaspekten ausgewählte Routen asphaltiert.
So ein bisschen glaube ich aus der Frage mit den Feldwegen auch herauszulesen, die Asphaltierung soll es nur da geben, wo Autos dadurch noch schneller fahren können, aber nicht da, wo es eine erheblich Erleichterung fürs Fahrradfahren sein könnte. Oder doch nicht? Vielleicht können wir dann bei der B96 über eine Aufpflasterung nachdenken, oder?
Ich finde nicht, dass es bei der Forderung nach Fernfahrradwegen darum geht, "die Natur lediglich zu nutzen für eigene Zwecke", sondern durch eine Verkehrswende der Naturzerstörung entgegenzuwirken, d. h. durch weniger Abgase, Lärm und Unfälle die Natur um die Verkehrswege herum zu schonen.
Das ÖKOSTADT-Projektzentrum bekommt am 18. August 2000 Besuch. Eine Fahrradtour der BUNDjugend-Brandenburg beschert uns 10 deutsche und 16 Gäste aus Israel und Palästina. Diese übernachten hier bis zum 20. August und fahren dann weiter. Sie können also ihr Land, ihre Traditionen und Projekte am Abend des Freitags, des 18. August vorstellen. Allen Teilnehmenden ist eigen, daß sie in aktiver Jugendumweltarbeit mitwirken. Sie wollen sich in Brandenburg verschiedene Projekte anschauen, in denen sie Alternativen zum freibeutenden kapitalistischen System vermuten. Dies war uns Anlaß, das Kulturfest zum Thema Palästina und Israel zu organisieren. Regina Liepe kümmerte sich um einen weiteren Helfer, den BAOBAB Infoladen Eine Welt e.V.
Der BAOBAB unterstützt ein Projekt in Palästina. Seit 1994 steht er im Kontakt mit dem Sternberg, einer Einrichtung für behinderte Menschen in Ramallah / Palästina. BAOBAB stellt sich selbst, sein Projekt und sein Anliegen am Freitag vor. Dann können die beiden Projekte sich hier kennenlernen.
Es wird eine Bild-/Wort-Dokumentation zu diesem Projekt in Lychen ausgestellt und soll über wirtschaftliche und politische Konfliktfelder in dieser Region informiert und diskutiert werden. Was könnte besser sein, als BeobachterInnen, Betroffene und Interessierte an einen Tisch zu bringen?
Wir planen ein Fest von Freitagabend bis Sonntagmittag. Diese Zeit wird gefüllt sein mit den vielen Themen, die Israel und Palästina bewegen und vielen Erlebnissen, die diese Region zu bieten hat, Essen und Trinken, Musik und Tanz, Gerüche und Sprache und Ruhe... Auch wollen wir währenddessen unseren Gästen unsere Region, insbesondere Lychen und Umgebung (Seen und Wälder, Menschen, Tiere und Pflanzen, unsere Kultur) erleben lassen und damit besonders gute GastgeberInnen sein.
Für die Vorbereitungen und Organisation sowie für den Kosten-/Finanzierungsplan sind noch weitere Treffen nötig. Interessierte Menschen können sich an den Planungen beteiligen. Weiteres bitte telefonisch erfragen. Bitte meldet Euch bei Roy in Lychen, damit wir Euere Angebote entgegennehmen und/oder Euch zu einem Vorbereitungstreffen einladen können. Teilt bitte mit, ob Ihr:
+ eine(n) PartnerIn kennt, welche(r) uns für dieses Treffen unterstützen könnte/möchte,
+ die Versorgung managen und übernehmen und/oder (nur) Zubereiten bzw. Geschirrspülen wollt,
+ Gästebetreuung, Übersetzung, Wanderungen/Führungen, Ausstellungsbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Finanzplanung, Abrechnung, Aufräumen, FörderInnenbetreuung bzw. FörderInnensuche, kulturelle Zwischenspiele, Kinderbetreuung, Bio-Produkte-Verkauf leisten und/oder unterstützen wollt,
+ zu einem Vorbereitungstreffen eingeladen werden wollt???
+ Zu welchen Bedingungen Ihr Helfen wollt, Planzeiten, Inhalte, Umgangsformen, Gegenleistungen (von nix kommt nix) interessiert uns ebenfalls.
Wenn Ihr dieses Fest besuchen und hier übernachten wollt, meldet Euch bitte so bald wie möglich an, spätestens jedoch bis zum 31. Juli, im ÖKOSTADT-Projektzentrum in Lychen. Bis dahin wünschen Euch Regina und Roy eine schöne Zeit und alles Liebe.
Seit 1994 stehen wir in Kontakt mit dem Sternberg, einer Einrichtung der Herrnhuter Brüdergemeinde für geistig Behinderte in der Nähe von Ramallah/ Palästina. Im Januar 1997 baten uns Mitarbeiter der Einrichtung um Unterstützung für ein geplantes landwirtschaftliches Ausbildungs-/Beschäftigungsprogramm für geistig behinderte Jugendliche.
Um die Menschen im Projekt vor Ort kennenzulernen, fuhren zwei Frauen vom BAOBAB im März 97 nach Palästina. Dort erlebten wir engagierte und sachkundige Frauen. In der sich neu formierenden palästinensischen Gesellschaft ist ihr Beitrag gefragt und ihr Mut zur Übernahme von Leitungsaufgaben. Darin wollen wir sie bestärken.
Die Situation in Palästina nach dem Osloer Abkommen vom 13. September 1993 und dem erweiterten Autonomieabkommen vom September 1995 ist nach wie vor gekennzeichnet von vielen ungelösten Fragen (israelische Siedlungspolitik, Hoheitsrechte über das Wasser, Straßennetz u.a.), die aber für die weitere Entwicklung in der Region eine große Rolle spielen. In Folge der Störungsversuche radikaler Gegner des Friedensprozesses auf beiden Seiten durch Mord und Terror und den daraus resultierenden häufigen Absperrungen palästinensischer Gebiete hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Palästinenser weiter verschlechtert.
Vom Sternberg werden Modelle erwartet, damit das neue Erziehungsministerium in der Praxis erfährt, welche Bildungs- und Integrationsformen in Palästina möglich und wichtig sind.
Die Ausbildung in der Landwirtschaft wird genutzt, um den Grad der Selbstversorgung der Einrichtung zu erhöhen und Veränderungen im Mikroklima zu schaffen . Die Ausbildung der Jugendlichen im Gemüseanbau erfolgt vor allem im Hinblick auf das spätere Leben in den Dorfgemeinschaften und Familien, in denen sie die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten anwenden können. Eine Betreuung der Jugendlichen erfolgt dann im Rahmen der gemeinwesenbezogenen Behindertenarbeit (Community Based Rehabilitation, CBR).
Für dieses Projekt werden noch 13 042 DM für den Zeitraum bis 2002 benötigt.
Wir bitten Sie um Unterstützung für dieses Projekt.
BAOBAB Infoladen Eine Welt e.V.
Christburger Str. 38, 10405 Berlin
Tel. (030) 442 61 74, Fax (030) 44 35 90 66
Konto-Nr: 635588104
BLZ: 10010010
Postbank Berlin
In diesem Jahr sind allein in der Umgebung von Prenzlau 8 Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen geplant. Das betrifft die Standorte Prenzlau (2x), Kleptow (2 x) Schapow (1x) Gross Lukow (3 x - im Kreis Ueckes-Randow am Nordrand der Uckermark.
Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen sind Experimente, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Gentechnisch veränderte Pflanzen können sich im Ökosystem etablieren und dieses verändern. So kreuzt sich ca. 2 % des genmanipulierten Rapses mit Wild- und Kulturpflanzen aus.
Ein weiteres Beispiel sind die Larven des Monarch-Schmetterlings, die durch Genmais sterben, dessen Pollen ein Insektizid bilden. VerbraucherInnen haben keinen Nutzen von genmanipulierten Pflanzen, müssen aber vielfältige Risiken tragen. Einige Beispiele hierfür sind die Übertragung der Antibiotikaresistenz auf Keime von Mensch und Tier durch Genmais von Novarttis, die Entstehung neuer Eiweiße (z. B. bei Soja) mit unbekannten Auswirkungen, erhöhte gesundheitliche Risiken für Allergiker... Auch hier handelt es sich nur um die noch wenig erforschte Spitze des Eisbergs".
Ebenso bringt der Einsatz von Gentechnik keinen Nutzen für die Bauern. Sie gelangen in noch größere Abhängigkeit von Konzernen, von denen sie genmanipuliertes Saatgut und auf dieses zugeschnittene Totalherbizide beziehen. Z. B. stehen derzeit viele US-Farmer vor dem Ruin, da sie sich von Genkonzernen abhängig machten und nun auf ihren Produkten sitzenbleiben. Ein weiteres Beispiel ist Indien, wo sich viele Menschen gegen die Vernichtung lokaler Ökonomien durch Abhängigkeit von Saatgutfirmen wehren. Überhaupt werden viele Pflanzen genmanipuliert, um bestimmte Totalherbizide einsetzen zu können. Diese Herbizide sind extreme Gifte, können teilweise nach einem Jahr noch in Gemüse nachgewiesen werden, vergiften Grundwasser und Böden und können zu erheblichen gesundheitlichen Beschwerden bei Landwirten und VerbraucherInnen führen.
Nutzen am Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft haben nur die, die daran verdienen. Die Genlobby hat sich vom Konzern Buson-Masteller eine Medienstrategie ausarbeiten lassen, mit der der Gentechnik weiltweit zum Durchbruch verholfen werden soll. Denn die Genmanipulation beginnt in den Köpfen der Menschen.
Wehren wir uns dagegen, z. B. durch Öffentlichkeitsarbeit, durch den Kauf von garantiert nicht genmanipulierten Produkten. Und wie eine Sense gehandhabt wird, oder wie mit unliebsamen Pflanzem im Garten umgegangen wird, brauche ich hier auf dem Lande wohl niemandem zu erzählen.
Die Flurkarten mit den Standorten der Freisetzungen sind bei ÖKOSTADT in Lychen und im Naturladen Prenzlau einsehbar. Die Informationen dieses Schreibens beruhen auf diversen Artikeln verschiedener Nummern des Raben Ralf". Wichtigster Ansprechpartner in Sachen Gentechnikkritik ist das Gen-Ethische Netzwerk (GEN).
Gen-Ethisches Netzwerk
Brunnenstr. 4, 10119 Berlin
Tel. (030) 685 70 73
Unter dem Motto: In jedem Menschen steckt ein Künstler" möchte ich in meinen Workshops Gestalten in Ton" die Grund-Techniken des freien Plastizierens und des keramischen Gestaltens, auch mit Engobe, vermitteln sowie die Entwicklung des eigenen Stils fördern. Eingeladen sind alle Menschen, die Neugier, Lust und - manchmal auch - Geduld mitbringen, das Material und die eigenen schöpferischen Kräfte zu erproben. Erste Devise könnte z. B. sein: Ein Klumpen Ton in meiner Hand - was will daraus wachsen?" Künstlerische Vorbildung wird nicht vorausgesetzt, vielmehr ist (eher kindliche) Experimentierfreude gefragt.
Die Werkstatt im Sommercamp ist für ÖkostädterInnen gedacht und soll am Montag dem 21. August - möglichst im Garten und um die Mittagszeit - mit freiem Gestalten in Ton/Engobe beginnen. Dann ist eine Trocknungszeit notwendig und am Donnerstag abend könnte der erste Rohbrand schwelen, so daß wir am Freitag (evtl. abends) glasieren könnten. Der Glasurbrand schließt sich an und vielleicht schon am Samstagabend - 26. 8. - halten wir die ersten hoffentlich gelungenen Stücke in den Händen. Diese Veranstaltung ist für ÖkostädterInnen und ihre Gäste kostenlos, denn ich verzichte auf mein Honorar und die ÖKOSTADT-Genossenschaft übernimmt die Material- und Brennkosten.
Einige meiner figürlichen Keramiken werden voraussichtlich ab 22. 8. im Gemeinschaftsraum unseres Hauses in der Vogelgesangstr. 4 zu sehen sein. Es gibt also eine Ausstellung meiner keramischen Arbeiten bei ÖKOSTADT neben meiner Ausstellung im Fremdenverkehrsverein Lychen ab ca. 14. August, die neben einigen wenigen Keramiken vor allem uckermärkische Fotos, Zeichnungen und Mischtechniken zeigt.
Im September/Oktober ist eine weitere Werkstatt für Ton- und Keramik-Interessierte geplant - vermutlich an 2 Wochenenden.
In Lahr im Schwarzwald geboren
Tätigkeiten als Übersetzerin, Auslandskorrespondentin und Dolmetscherin
Aufenthalt in Südfrankreich
Umweltpolitisches Engagement
Leiterin von Kursen für künstlerisches Gestalten in Ton für Kinder, Senioren und Ausländer
Freie Arbeiten in den Bereichen der figürlichen Keramik, Bildhauerei, Malerei und Lyrik
Seit vielen Jahren ist mein künstlerischer Schwerpunkt die Arbeit mit Ton und Keramik. Als Themen berühren mich die Entfremdung zwischen Mensch und Natur, sowie Ängste aber auch die (Tag-) Träume und Visionen der Menschen in der postmodernen Risikogesellschaft.
Aufbauen einer Plastik aus der formlosen Masse oder Herausschlagen aus dem festen Material
Von der Ideenskizze bis zur Möglichkeit die geschaffenen Tonformen zu brennen und die Plastiken zu bemalen
Struktur, Verhalten, Veränderung des Tons,
dem eigenen Gefühl Ausdruck geben durch freie Gestaltung eines Körpers im Raum
Aus dem vorhandenen Kalksteinquader die selbst gewollte Form herausarbeiten,
"wegschlagen", der Widerstand des festen Körpers, den "Willen des Materials" erspüren
In der geschaffenen plastischen Form kommen die rohe Masse des Tons oder des Steins und die bildhauerische Idee zu einer einzigartigen Einheit.
Die TeilnehmerInnen wählen selbst, mit welchem der gegensätzlichen Materialien - Ton oder Kalkstein - sie arbeiten wollen.
Im Verlauf der Workshops ist es möglich, zwischen beiden Materialien zu wechseln. Die Teilnahme an beiden Wochenenden wird empfohlen, ist jedoch nicht Bedingung.
Kursgebühr incl. Material, Unterkunft und Vollpension (Vollwertkost): ein Wochenende:150,-DM (erm. 120,-DM), beide Wochenenden:270,-DM (210,-DM).
Unterkunft und Versorgung bei ÖKOSTADT in Lychen.
Letzter Anmeldetermin: 04.09.2000.
Teilnahmegebühr bitte überweisen auf: Konto 120385640, ÖKOSTADT eG
bei Volksbank Uckermark, BLZ 15091704.
ÖKOSTADT behält sich vor, bei zu geringer Teilnehmerzahl, die geplante Werkstatt abzusagen. In diesem Fall werden bereits gezahlte Gebühren zurückerstattet.
* Den Ton begreifen * Den Ton-Weg gehen * Konzentration auf das Wesen der Teeschale * Zen-Teezeremonie * Raku genießen
Kursgebühr incl. Material 585,-DM.
Unterkunft und Mittagessen (Vollwert): 210,-DM.
Cornelia Nagel lebt und arbeitet in Berlin.
Raku hat seinen Ursprung in Japan. Von den Zen-Buddhisten wird es als fester Bestandteil seit Jahrhunderten in die Teezeremonie einbezogen. Raku symbolisiert die Natur: das fließende Wasser, den rauhen Stein, die Silhouette des Bergkamms. Raku wird mit den Händen geformt und zeigt die Spuren des Werkzeugs und des Herstellungsprozesses. Die Brennmethode im holzbefeuerten Ofen ist traditionell, seit Jahrhunderten gleich. Die rotglühende Keramik wird mit Zangen aus dem heißen Ofen genommen und in eiskaltem Wasser abgeschreckt. Stücke, die diese Behandlung überstehen, sind von Glasurrissen und Sprüngen überzogen. Kenner schätzen dies hoch, ebenso den matten Klang.
Aus Anlass unserer geplanten Diskussion zum Thema Siedlungspolitik/Bauen" am Montag, dem 11. August geben wir hier mit Erlaubnis des Autors eine gekürzte Version von Dr. Anton Schneiders Artikel aus der Wohnen und Gesundheit" 3/2000 Nr. 94 wieder.
Hier geht es um die entscheidende Frage, ob die weltweite Trennung des Menschen und seiner Wohnumwelt von der Natur fortschreitet oder ob es im 21. Jahrhundert zu einer Symbiose kommen wird. Wir wünschen uns zwar eine nachindustrielle, ökosozial orientierte Gesellschaftsordnung, aber die Entwicklung verläuft nach wie vor entgegengesetzt zerstörerisch Die angestrebte Bau- und Siedlungskultur kommt nicht von selber. Voraussetzung dafür wäre eine ethisch-ästhetische Motivation, ein öko-sozial geprägtes Umweltbewusstsein. Eine Gegenbewegung zur Urbanisierung/Verstädterung mit isolierter, industrialisierter Land- und Forstwirtschaft ist notwendig und möglich.
Der Organismus Erde strebt in seiner Evolution nach einem natürlichen Gleichgewicht. Darin könnte sich alles Leben, Flora und Fauna einschließlich Mensch, optimal entwickeln. Milieu und Lebewesen sind ineinander verflochten. Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist unsere Erde zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten und stark geschädigt worden. Folge davon ist, dass bereits ein Drittel der Pflanzen- und Tierarten ausgestorben ist. Die gesamte Schöpfung, nicht zuletzt der Mensch als letztes Glied in der Kette der ernährungsbedingten Abhängigkeiten, ist Opfer der Umweltbelastung. Nach Aussage der WHO gibt es heute keinen wirklich gesunden Menschen. Wir betrachten dies schon als normal. Niemand weiß, wie sich die weltweite Degeneration letztlich auswirken wird und ob die Menschheit die selbst verschuldete Tragödie aufhalten kann.
Es ist in den industrialisierten Ländern in erster Linie die naturfremde, kranke Wohnumwelt, die den Menschen physisch, psychisch und geistig belastet. Ursache dafür ist zum großen Teil die toxische Gesamtsituation; aber auch das künstliche elektromagnetische Strahlungsklima ist ein erheblicher Fremdkörper im Organismus Erde. Beide ergänzen sich in ihrer Wirkung. Es handelt sich um extreme Faktoren der Umweltbelastung, die außer Kontrolle geraten sind. Ihre Schädigung der Ökosysteme nimmt mit der Industrialisierung und der Bevölkerungsdichte zu.
Darin liegen auch - lokal und global - die Ansatzpunkte für eine Umkehr. Um gesund und zufrieden zu leben und alt zu werden, ist ein wichtiger erster Schritt, in einem gesunden Haus zu wohnen, sich auf einem gesunden Schlafplatz zu regenerieren, sich naturgemäß zu ernähren und mit Naturtextilien zu kleiden. Arbeit, Bewegung, Erholung und Ruhe sollten ideal abgestimmt sein. Eine positive Lebenseinstellung sollte Sorgen, Angst, Frustration und Stress ersetzen.
Hat unsere Erde keinen Platz mehr für die wachsende Bevölkerung? Raumnot ist nicht die Ursache für die Zusammenballung. Sonst dürften weder in Süd- und Nordamerika noch in Afrika, Australien oder in weiten Gebieten Asiens und Europas Mammutstädte mit einer Wohndichte von über 1000 Einw./km² entstehen. Im weiten Umfeld dieser Städte liegt die Bevölkerungsdichte oft bei nur etwa 1 Einw./km². Die Festlandfläche unserer Erde beträgt 150 Millionen km². Bei 6 Milliarden Menschen entfallen auf jeden Erdbewohner 25000 m² (abzüglich unbewohnbarer Gebiete). Selbst im dicht besiedelten Deutschland mit 0,36 Millionen km² Grundfläche bei 80 Millionen Menschen kommen auf jeden Bundesbürger 4500 m². Diese Zahlen zeigen, dass bei globaler Betrachtung die verbreitete Angst vor einer Bevölkerungsexplosion unberechtigt ist. Schließlich haben bereits viele Industriestaaten einen Bevölkerungsschwund - auch Deutschland gehört dazu -, der durch Einwanderungswellen verdeckt wurde. Mit den heutigen Möglichkeiten der Nutzung alternativer Energien könnten weite Brach- und Ödlandgebiete fruchtbar und bewohnbar gemacht werden.
Der Raumnotkomplex ist unberechtigt. Wir haben es mit einem Mangel an Einsicht, an politischem Mut sowie an menschenfreundlicher Gesinnung und Naturverbundenheit zu tun. Mit positiver Einstellung könnten sich blühende Siedlungen entwickeln. Wie kommt es, dass in der Realität das Gegenteil entsteht? Es liegt vorwiegend daran, dass die unteren Baubehörden und die Kommunen eine zu große Auslegungs- und Machtbefugnis haben. Bürokratisch, diktatorisch und borniert statt kreativ manipulieren sie seit Jahrzehnten das Baugeschehen mit dem Resultat der Verstädterung, Uniformierung des Bauens, Reduzierung des Eigenheimbaus, Wohnungsnot, Ausbeutung der Wohnbevölkerung, weil in den Ballungsräumen bis zur Hälfte der Bau- und Mietpreise durch ungerechtfertigt hohe Baulandpreise zustande kommen.
Der Weg vom weitgehend zerstörten zum ökosozialen, gesunden Lebensraum ist notwendig und möglich. Es ist die vernünftige Konsequenz, welche die Menschheit aus der weltweiten Katastrophe ziehen kann; es geht um die Existenz der Erde.Es handelt sich um einer der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahrzehnte, in denen u. a. folgende zusammenhängende Probleme gelöst werden müssen:
Alle diese destruktiven Entwicklungen nehmen mit der Bevölkerungsdichte zu und ergänzen sich wechselseitig. Sie sind Ursache und Wirkung zugleich. Ursprünglich gab es diese Probleme kaum oder nur lokal und abgeschwächt. In ländlichen Gebieten (soweit diese nicht verstädtert und industrialisiert sind oder durch industrielle monokulturelle Landwirtschaft geschädigt wurden) ist die Gesamtsituation noch teilweise in Ordnung. Als Konsequenz ergibt sich die Rückkehr zur dezentralen, naturgemäßen und baubiologisch orientierten Besiedlung.
Bauen und Siedeln darf nicht zur weiteren Konzentration führen. Im Vordergrund aller bau- und siedlungspolitischen Maßnahmen müssen ganzheitliche, ökologische, baubiologische, soziale und humane Belange stehen.
Zum Gelingen können folgende Maßnahmen beitragen:
Der Missbrauch mit dem Handelsobjekt Boden muss unterbunden werden.
Dezentralisierte Bauweise sowie der Eigenheimbau müssen staatlich unterstützt werden.
Erweiterung des Baulandangebots und Reduzierung der Erschließungskosten (z. B. durch Pflanzenkläranlagen).
Die Gemeinden müssen genügend Siedlungsgelände zu günstigen Bedingungen bereit stellen.
Grundbesitzer (Kommunen, Staat, Kirche etc.) sollten gesetzlich veranlasst werden, Bauland anzubieten. Bauen im Außenbereich müsste vor allem bei Ökodörfern gefördert statt verhindert werden.
Die siedlungsmäßig besseren Voraussetzungen in den ostdeutschen Bundesländern sollten u. a. mittels staatlicher Lenkung erschlossen werden.
Förderung des ökologisch geprägten Eigenheimbaus sowie der Niedrigpreis- und Selbstbaubestrebungen.
Landwirte, die ihren Betrieb aufgeben, sollten den Boden auf Erbpachtbasis abgeben (Altersrente).
Abwanderung von Bewohnern und Betrieben aus der Stadt auf das Land ist zu fördern statt zu behindern.
Betroffene Bürger sollten sich zu Siedlungsgemeinschaften zusammenschließen oder bestehende Aktionen unterstützen.
Von Politikern, Parteien und Regierungen sind neue, angepasste Konzepte zur wirksamen Problemlösung zu fordern.
Im Interesse einer Dezentralisierung und zur Delegation von Arbeiten in ländlichen Kleinbetrieben könnten die modernen Kommunikationsmöglichkeiten besser genutzt werden.
Aufgabe und Ziel am Jahrtausendwechsel ist die Bewusstseinsbildung als Voraussetzung zur Schaffung einer ökologischen und humanen Wohnumwelt, einer baubiologisch fundierten wahren Baukultur. Darin kann sich (laut Herder) die menschliche Humanität zur Blüte entfalten.
Wir trafen uns im neuen Bhf.-Lichtenberg, um mit einer 2-Waggon-Bimmelbahn nach Storkow zu fahren. Dort erwartete uns die Fotografin Ulrike und ihre Mutter. Kurz noch auf eine Wegekarte geschaut, los ging es auf einigen gut angelegten Radwegen oder kilometerweit leicht ansteigender Landstraße.
O je, du hügelige Landschaft, Felder unter blauem Himmel... nach der Winterpause will Pedalkraft erst wieder trainiert sein. Dann schoben wir quer Feld ein nach oben auf einen breiten Hügel. Mountainbikes preschten an uns vorbei. Berthe und Ulrikes Mutter waren schon im Auto vorgefahren und warteten in einem Holzstand mit Picknick.
Da traute ich meinen Augen kaum... Tabletts mit Kuchen, Schalen mit Obst, Saft, Selters, Kaffeee, Becher,... und eine Sicht weit über das Land; kaum ein Dach, Autos in der Ferne klein wie Käfer ... toll. Ach ja, wir wollten nach Marienhöhe, einen biologisch-dynamischen Hof besuchen.
Also irgendwann Richtung Bad Saarow links ab durch den Wald standen da einige kleine Häuser. Das neu renovierte, teilweise mit Holz verkleidete Haus ist mit Hofladen, Küchenraum und sehr sauberer Backstube ausgestattet. Unter dem Dach befindet sich ein langer holzgetäfelter Raum mit Schlagzeug, Piano und anderen Instrumenten für Musikveranstaltungen.
Eigentlich haben wir das erst richtig wahrgenommen, nach einer Wanderung mit erklärender Führung über die verschiedenen Getreidefelder, Kartoffeläcker und Viehweiden, die mit Baum- und Heckenbestand Schatten und Artenschutz sichern. Auch die wechselnde Felderwirtschaft war natürlich interessant, da der Hof auf dem sandigen Boden die Arbeitsgemeinschaften seit über drei Generationen herausfordert.
Ein Blumen- und Gemüse-Garten mit Folientunneln, Glas-Fächer-Beeten, die Schweine- und Kuh-Ställe ... huch, wo war die Käserei? Bei so vielen Eindrücken kamen wir dann noch an dem Bauern-Geräte-Schuppen vorbei ... lass das bloß den fähigen Techniker nicht hören.
Noch ein Hof, da noch ein Schuppen, Milchkannen, Trecker und Dachausbau mit Baulärm am Wochenende. Soviel System und Energie habe ich selten gesehen ... ein Traum ... der sich zu besuchen und mit Einkauf zu unterstützen lohnt.
Jeden letzten Sonnabend im Monat ist um 14.30 Uhr Führung über die Felder und den Hof.
Am Bahnhof Bad Saarow angekommen, wollten und konnten wir noch die historische Atmosphäre, also die fast restaurierten Säulengänge und Vorplatz-Anlage diese alten Kurortes genießen.
Seit wir den Handel mit Bioprodukten aufgenommen haben, begegnen uns die Namen und Warenzeichen des ökologischen Landbaus noch häufiger als zuvor.
Worum geht es eigentlich bei dem ökologischen, biologischen, biologisch-dynamischen o. ä. Landbau?
Wichtige Ziele des Okö-Landbaues sind der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und eine ressourcenschonende Anbauweise. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung mit eigenem Dünger und vielfältiger Fruchtfolge sind von großer Bedeutung.
Der Bio-Bauer ist gleichzeitig Naturschützer, denn leicht lösliche Mineraldünger sind ebenso tabu wie Herbizide und Fungizide zur Schädlingsbekämpfung. So können diese Schadstoffe gar nicht erst in Boden und Grundwasser gelangen und diesen verseuchen. Und die VerbraucherInnen haben die Gewißheit, daß sich keine belastenden Rückstände in den aus biologischen Zutaten hergestellten Waren befinden.
Nicht zuletzt hat sich der Biolandbau zu einer artgerechten Tierhaltung verpflichtet: Keine Massentierhaltung mit streß- und krankheitsanfälligen Tieren, sondern eine Tieraufzucht ohne Hormone und eine Haltung im Einklang mit der Natur mit ausreichend Auslauf, Stroheinstreu und weitgehender Verwendung von wirtschaftseigenem Futter, selbstverständlich ohne Tiermehl.
Wir wollen unseren Lesern (und Kunden) einige Vereinigungen des Öko-Landbaus in den nächsten ÖN näher vorstellen.
Heute zunächst einmal eine Übersicht über die in der 1988 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau - AGÖL" zusammengeschlossenen Verbände.
Hat Ihnen mal eine Mutter davon erzählt, wie drei ihrer Kinder in einem friedlichen Dorf von einer Fliegerbombe zerfetzt wurden? Oder ein Vater, wie vor seinen Augen der elfjährige Sohn beide Beine und ein Auge verlor, als ihn ein Jagdbomber ins Visier nahm? Haben Sie je Augenzeugenberichte gehört, wie ein Personenzug auf freier Strecke angegriffen wurde und die Flugzeugbesatzungen danach Jagd auf die flüchtenden Fahrgäste machten? Haben Sie dazu Bildberichte gesehen, wo durchlöcherte Körper oder Teile davon vom Bahndamm rollen? Ist Ihnen je der Mitschnitt eines Gespräches zwischen Pilot und Bodenleitstelle zu Ohren gekommen, in dem der Pilot sich weigert, in einen Traktorenkonvoi zu feuern, ihm aber dennoch Zerstören Sie das Ziel!" befohlen wird? Ein Ziel, das sich als Flüchtlichgstreck erwies und 78 Tote ergab? Ich habe diese Berichte schwer ertragen können, sehr schwer.
Mord ist ein Offizialdelikt, der Staat ist verpflichtet, beim bloßen Verdacht aktiv zu werden. Wer einen Menschen ermordet, zum Mord angestiftet oder Beihilfe geleistet hat, wird gewöhnlich für viele Jahre eingesperrt. Wer dagegen in die engere Wahl für diverse Friedenspreise, inklusive Nobelpreis, kommen will, sollte hochrangiger Politiker sein und möglichst viele Menschenleben auf dem Gewissen haben.
William Clinton erhielt vor zwei Wochen den Karlspreis der Stadt Aachen, der damit für jeden Menschen mit Anstand und Moral unannehmbar geworden ist. Zur selben Zeit sprach den US-Präsidenten in der Kreuzberger Kirche zum Heiligen Kreuz das von Ossietzky-Autor Prof. Norman Paech geleitete, mit Völker- und Staatsrechtlern, Diplomaten und Publizisten aus 16 Staaten hochrangig besetzte Europäische Tribunal über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien" schuldig, zwischen dem 24. März und 10. Juni 1999 einen Angriffskrieg gegen die Zivilbevölkerung eines souveränen Landes geführt zu haben. Und nicht nur ihn, auch die Führungen der anderen NATO-Staaten einschließlich der deutschen Bundesregierung, die - vom Soldatengesetz, Grundgesetz, 2 + 4 und NATO-Vertrag über Genfer Konvention und Haager Landkriegsordnung bis zur UNO-Kinder- und Menschenrechtskonvention sowie der Charta der Vereinten Nationen - alles zu Makulatur erklärte, was deutsche Parlamente seit Ende des Zweiten Weltkrieges an Völkerrecht ratifiziert haben. Die Beweisaufnahme ergab u. a. folgende Kriegsverbrechen: Tötung von Zivilisten in großer Zahl, Abwurf von rund zehn Tonnen Uranmunition und Tausenden Streubomben - beides als besonders grausam geächtete Waffen - Zerstörung von Kraftwerken, Krankenhäusern, Schulen, Kirchen, nachhaltige Schädigung natürlicher Lebensgrundlagen durch die wie C-Waffen-Einsatz wirkende Bombardierung von Chemikalienlagern, bewußte Inkaufnahme von Folgeschäden am menschlichen Erbgut.
Von den Angeklagten war niemand erschienen. Viele wagten sich immerhin in die Stadt. Einer trat auf dem parallel stattfindenden Juso-Kongreß auf, wo er als Herr Kriegsminister, lieber Genosse Scharping" begrüßt wurde.
Vor dem Internationalen Tribunal über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien erhielten die Medien reichlich Informationen. Sie wurden in aller Ausführlichkeit schriftlich informiert, zu einem Pressegespräch eingeladen, auf Ansprechpartner hingewiesen, und ihnen wurde auch eine Adresse im Internet angegeben, die sie anwählen konnten. Doch die meisten Zeitungen unterließen jegliche Berichterstattung. Die Fernsehanstalten erschienen ausnahmslos nicht. Immerhin: Junge Welt", Frankfurter Rundschau" und Neues Deutschland" berichteten gründlich. Und durchs Internet drang die Wahrheit über die Verbrechen der NATO bis in den Kongo und nach Neuseeland.
Am 07.01.2000 fand vor dem Berliner Amtsgericht der Prozeß gegen Uta A. statt - einer aus einer Reihe von Prozessen gegen Personen, die nach Beginn des Angriffs gegen Jugoslawien u. a. Bundeswehrsoldaten zur Desertion aus der kriegsführenden Truppe aufgerufen hatten. Utas Unterschrift stand unter einem diesbezüglichen Aufruf, der am 21.04.1999 in der "tageszeitung" veröffentlicht wurde.
Nach der Anklageerhebung verlas Uta eine Erklärung. In dieser bekannte sie sich auch jetzt zu diesem Aufruf und begründete diese Position ausführlich, u. a. mit der Völkerrechtswidrigkeit dieses Krieges, mit der Verschärfung statt der Lösung von Konflikten durch den Krieg. Sie verwies auf den eigentlichen Skandal, daß die Verantwortlichen für den Krieg bis jetzt nicht juristisch verfolgt werden, dagegen werden Menschen aus der Friedensbewegung kriminalisiert.
Die Staatsanwältin, deren gewaltiges Desinteresse uns auf den Bänken nahe der Versuchung brachte, sie aufwecken zu wollen, forderte 30 Tagessätze und 30 DM Geldstrafe. Sie begründete dies u. a. damit, daß der Aufruf zur Fahnenflucht immer strafbar sei, egal, ob militärische Handlungen völkerrechtswidrig sind oder nicht!
Der Verteidiger konterte hierauf u. a. mit dem Beispiel der DDR- Grenzsoldaten, von denen jetzt erwartet wird, daß sie sich damals ihrer Pflicht widersetzen hätten müssen. Ausführlich beleuchtete er den derzeitigen juristischen Stand der Völkerrechtsdiskussion zum NATO- Krieg gegen Jugoslawien und faßte die wesentlichen Argumente für die Rechtswidrigkeit dieses Krieges zusammen. Die Richterin zog sich nach diesem in meinen Augen sehr informativen und engagierten Plädoyer mit sich selbst zur Beratung zurück. Als sie den Freispruch verkündigte, jubelten wir- was schnell unterbunden wurde. U. a. begründete sie den Freispruch damit, daß ihrer Auffassung nach der oben erwähnte Aufruf durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei.
Ja wie fange ich es an? Wie kann eine Zusammenfassung einer Umfrage aussehen, die sehr unterschiedliche Ergebnisse aufweist und nur die Aussagen eines geringen Teiles der Menschen eingefangen hat, über die eigentlich eine Aussage getroffen werden sollte? Aber konnte denn eine Aussage über diese Verschiedenheit der Menschen gefunden werden, die hier bei ÖKOSTADT versammelt sind?
Ich will versuchen einen Rahmen der Aussagen meiner Umfrage zu skizzieren, vielleicht auch eine Gewichtung oder Orientierung.
Fast allen Befragten ist gemeinsam, daß sie nicht viel Zeit der Darstellung ihrer Meinung opfern wollten. Bei den interviewten Menschen ergab sich dann aber, daß sie sich doch über Interesse an ihrer Person freuten.
Die Motive, Gedanken und Visionen, welche sie mit ÖKOSTADT verbinden stellten sie dann doch gern und z.T. sehr ausführlich dar. Dadurch lernte ich die Befragten gleich sehr viel besser kennen.
Für Klaus-Peter trafen die Fragen nicht zu, da er sich schon sehr stark in ÖKOSTADT engagiert und auch wirtschaftlich integriert hat.
Berthe hat ebenfalls einen besonderen Zugang zu ÖKOSTADT, welcher mit ihrer besonderen Verantwortung für ihr geerbtes Gut zusammenhängt und m.E. sehr bemerkenswert ist. Vielleicht berichtet sie selbst einmal genauer darüber. Ich denke das wäre für mancheN von uns sehr interessant.
Bei mir selbst ist vor allem die wirtschaftliche Integration noch nicht so umfangreich, da... Lest dazu meinen Artikel Wo will ÖKOSTADT hin, was ist erreicht und wie geht's weiter???" in diesem Heft.
Einigen Mitgliedern hat dieser Verein schon viel genutzt (Arbeitslohn/Ausbildung/Wohnung). Nicht alle Nutznießer haben sich bisher auch engagiert, den Verein lebensfähig zu erhalten (Mitarbeit bei Selbstorganisation, Öffentlichkeitsarbeit, Förderung über den Mitgliedsbeitrag hinaus). Besonders die Nutznießer sind eher glücklich über den Verein / das Vereinsleben, so wie er/es ist. Der Wunsch nach positiven Veränderungen steigt mit dem Grad des Engagements und der Verringerung der Partizipation an den Aktivitäten des Vereines, dem Nutzen für den Einzelnen. Eine Befragte hat der Entwicklung des Vereines gegenüber eine besonders begutachtende Haltung.
Dies sind für mich die wichtigsten Aussagen, die ich dem Umfrageergebnis entnehmen kann.
Auf Nachfragen werde ich gern weiterhin Antwort leisten.
Das seltene Zusammentreffen von ÖkostädterInnen in größerer Zahl an einem Ort (=Sommerlager) will ich gern nutzen und uns die Chance eröffnen, die Ziele von ÖKOSTADT zu überprüfen, genau zu sehen, wo wir sind, zu ersinnen und zu vereinbaren, wie und wohin wir uns demnächst entwickeln wollen. Dies könnte eine (neue) Form der Zukunftswerkstatt sein: wesentlich entspannter und freier nutzbar als üblich, mit tagaktueller Wandzeitung und RednerInnen Podium, Kleingruppendiskussionsrunden und (Gesamt-)Plenum oder Teilen davon je nach Verabredung.
Ich stelle mir dabei eine entspannte Atmosphäre vor, Mitglieder und Freunde von ÖKOSTADT, die sich dabei unterstützen ein Bild zu entwickeln, wie ÖKOSTADT in ca. 2-5 Jahren aussehen soll, keine stundenlange Diskussion _ sondern kurzzeitige intensive Auseinandersetzungen mit diesen Fragen nach eigenem Ermessen und Zeitplan, gegenseitiges (wenn nicht anders gewünscht, anonymes) Vorstellen der eigenen Ideen, Bemerkungen, Bedenken.
Ich will gern helfen, eine solche Atmosphäre zu schaffen und zu pflegen. Ich freue mich schon jetzt auf rege Beteiligung. Ich würde mich auch über Hilfe dabei freuen. Wie diese Hilfe aussehen kann, werde ich Dir gern erklären, wenn Du Dich bei mir mit Deiner Bereitschaft meldest. Schon jetzt fällt mir ein, daß es begünstigend wäre, eine Kinderbetreuung, Essen- und Getränkeversorgung und Moderation zu haben.
Bedenken, Anregungen, Hilfe-Angebote, Anmeldungen zu meinem Vorhaben sendet mir bitte rechtzeitig, damit ich angemessen darauf reagieren kann.
Ich wünsche mir, daß wir den IST-Zustand von Ökostadt erarbeiten, daß die ehemaligen Visionen noch mal kritisch überdacht werden, daß unter den InteressentInnen für Ökostadt wieder verstärkt über Visionen nachgedacht wird und daß es nicht nur dabei bleibt, sondern konkret geplant und vereinbart wird, wie dies erreicht werden kann." - so etwa Klaus-Peter. Dennoch ist er nicht optimistisch, ob dies im Sommer Erfolg bringt.
Auch ich habe Probleme mit dem derzeitigen Verständnis von Ökostadt. Ich hätte gern konkreter;
Und dies vielleicht schon während des Sommerlagers(?).
Könnt ihr mich verstehen, daß ich nicht in einen Verein investieren möchte, von dem mir nicht klar ist, was dessen Mitglieder wünschen/wollen bzw. wohin sich dieser entwickelt, wer ihn belebt, wer in ihm bestimmt. Vielleicht geht es euch ja ebenso? Vielleicht wollt auch ihr etwas mehr Klarheit, bevor ihr euch mehr engagiert.
Ein konkreter Arbeitsstufenplan mit der Benennung der für verschiedene Bereiche Verantwortlichen ist in mir bekannten Gruppen immer das Ergebnis einer ZuWe (Zukunftswerkstatt). Ebenfalls bringen mir bekannte ZuWe immer eine klar umrissene Vision mit noch klareren Zielformulierungen. Aber eben (nur) als Voraussetzung zur Orientierung für die Aufgabenplanung. Die Aufgabenplanung nimmt dabei einen größeren Zeitumfang ein als die Visionsphase. Insgesamt sollte die ZuWe nicht weniger als drei Tage laufen, da sonst das Ergebnis nicht über die Visionsarbeit hinaus geht und die Realisierung stecken bleibt.
Viel mehr wollte ich hier gar nicht schreiben, um das Thema nicht zu zerreden/-schreiben.
Aber Klaus-Peter meint: Thesen können anregend sein / provozieren und sollten deshalb hier noch Erwähnung finden. Darum dachte ich mir noch folgende Thesen aus:
· Ökostadt fördert Menschen, die sich selbständig wirtschaftliche Grundlagen für ihr Leben schaffen wollen, wenn dies unserem Bild von ökologischem Wirtschaften" entspricht. - Das soll auch so bleiben.
· Ökostadt hilft bei dem Errichten Etablieren eines Seminar- und Tagungshauses mit Café in Lychen und beim Zusammenfinden einer Siedlergruppe für Hohenlychen, die sich unter Beachtung der Ökologie" selbständig wirtschaftliche Grundlagen für ihr Leben schaffen will. - Das wollen wir jetzt als erstes tun.
· Ökostadt entwickelt sich zu einer Gemeinschaft von sich gegenseitig emanzipierenden umwelt- und selbstbewußten Menschen, die sich gegenseitig helfen, (auch) wirtschaftliche Grundlagen für ihr Leben zu schaffen. Dabei werden vor allem lebens- und (umwelt-)freundliche Wirtschaftsweisen und Umgangsformen forciert und gefördert. - Dieses mittelfristige Ziel erreichen wir, indem wir uns auf erfolgreich erprobte Kommunikations- und Organisationsformen, -strukturen (Hilfen) einlassen, fremde Erfahrungen nutzen. Offene Planung, Zukunftswerkstatt, Wie-geht's-Runden, Arbeits-gruppenplenum sind solche Hilfen.
· Ökostadt besteht aus einem Haufen von gelangweilten Großstädtern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber alle gern mit dem Deckmäntelchen" des Öko-Sein"s bedecken. Oder sie finden es toll, unkompliziert und billig in Lychen Ferien und/oder Wochenenden mit Ökos" zu verbringen. Daran wollen und können wir sowieso nichts ändern.
· Ökostadt hat vor in Lychen eine Pension für großstadtgeschädigte alte Menschen zu errichten, die hier ihren Lebensabend genießen wollen. - Das ist das Fernziel, wenn wir Verein, Genossenschaft & Visionen aufgelöst überlebt haben.
· Ökostadt hat vor, unter Ausnutzung von FörderInnen und Fördermitteln, sich unter dem Deckmäntelchen" der Förderung des Umweltbewußtseins", eine schöne Lebenszeit zu gestalten. Dies gilt schon jetzt. Und wer sollte etwas dagegen haben?
· Ökostadt besteht aus Menschen, die sich bereits vielfältig im Bereich des Umweltschutzes engagieren. Das tun sie in den verschiedensten Vereinen und Gemeinschaften sowie in ihren Familien und den Betrieben, in denen sie tätig sind. Für ein Engagement bei Ökostadt bleibt da wenig Zeit und Energie. Eigentlich bräuchten sie Ökostadt nicht. Aber zum Austritt hatten sie bisher auch keinen Anlaß, Zeit und Energie sowieso nicht. - Wäre schade, wenn dies sich ändert.
Ich weiß: Nicht eine These stimmt voll und ganz. Aber was macht Ökostadt aus? Was wollen ÖkostädterInnen? Was vermag der Verein seinen Mitgliedern zu bieten? Was will jedeR einzelne dazu beitragen?
Auf mittlerweile 40 Jahre blickt Kretschmanns Haus der Naturpflege in Bad Freienwalde zurück. Die Naturschutzeule gibt es seit 50 Jahren. Die Festwoche in Bad Freienwalde aus Anlaß dieser Jubiläen im Juni 2000 brachte eine ganze Anzahl wichtiger Veranstaltungen zu Themen des Naturschutzes. Unsere Kathrin war dabei und wird sicherlich in den nächsten ÖN darüber berichten.
Im folgenden setzen wir unseren Abdruck von Auszügen aus dem Manuskript Herbert" von Kurt Kretschmann fort. Zum Ende unseres Abdrucks in ÖN30 hatte Kurt Kretschmann erzählt, wie Herbert und er durch freundliche, aufklärende Hinweise Berliner Ausflügler erfolgreich davon abgehalten hatten, Weidenkätzchen mutwillig zu plündern. Er fährt fort:
Das war für unsere jungen Köpfe eine wichtige Begebenheit, die wir in der nun so traurig zum Abschluß gekommenen 10 jährigen Freundschaft beweisen konnten. Heute kann ich mit tiefem Stolz sagen, daß wir trotz großer charakterlicher Verschiedenheit eine unzertrennliche, sich immer stärker festigende Gemeinschaft bildeten. Wir lösten alle Probleme durch den festen Glauben an die Kraft der Vernunft und kamen nie in Streit. Kein gehässiges Wort hat unsere Freundschaft je getrübt. In den langen Jahren fanden wir auf das Engste zusammen. Der gleiche Weg dasselbe Ziel- ein sonniges freies Menschentum - ließ uns gemeinsam marschieren und alle Schwierigkeiten meistern. Es gab keine Geheimnisse zwischen uns. Bis in die aufwühlendsten inneren Kämpfe und Erlebnisse hinein offenbarten wir gegenseitig alle Gedanken und Empfindungen. Immer wird es hell in mir werden, wenn ich auf diese Zeit zurückschaue und dunkel, wenn ich deines Todes auf dem Schlachtfelde gedenke.
Unweit der Hütte plätscherte ein kleines Fließ. Schwellender Wiesensaum umkränzte das Bächlein, dessen Quelle nicht weit von uns entfernt munter aus dem Schoß der Erde sprang. Dort waren wir wohl tausendmal. Im Nebel, wenn es grau und dunstig, naß und schwer über dem Wässerlein hing und uns die Orientierung Mühe machte, im Sonnenschein oder in klarer Sternennacht. Zu jeder Zeit, am frühen Morgen, wenn keine Menschenseele im Walde zu finden war und wir die Sonne mit lautem Rufe begrüßten. Am ruhigen Mittag, in der angestauten Wärme, da sich kein Grashalm bewegte, oder am Abend, an der Grenze zwischen Tag und Nacht, wo alle Formen und Farben ineinanderlaufen. Die einsame Größe und Schönheit dieses Tales fesselte uns sehr. Wir kannten jeden Wechsel des Wildes und beobachteten die Rehe, wie sie ästen und die Jungen, während die Eltern wachten, mit neckischen Sprüngen herumflankierten. Auch die Eichkatzen machten uns große Freude. Sie verloren bald alle Scheu und kamen neugierig und zutraulich näher. Wer diese flinken Baumbewohner in der Freiheit betrachten konnte, wird sie als eine besondere Zierde des Waldes empfinden. Sie kamen häufig an den Wiesenrand und tummelten sich in ausgelassener Munterkeit. Einmal entdeckten wir ein Pärchen, das sich in einem ausgedienten Bienenkasten eingenistet und fünf Junge geworfen hatte. Keine vier Schritt von unserem Häuschen entfernt, entfaltete sich ein entzückendendes Wunder, das wir wie einen Schatz behüteten. Obwohl wir wiederholt das Nest betrachteten, vertrauten uns die Tiere und fühlten wohl, daß ihnen kein Leid geschehen würde. Sie nahmen das gereichte Futter und suchten sich außerdem die Samen der Kiefern und Eichen. Wie freuten wir uns um dieses Geschenk der Natur _ ein Nest der zierlichen Springer bei unserer Klause zu haben. Eines Tages jedoch kam eine gelbe, wildernde Katze, schlüpfte unter den Bienenkasten und erwürgte alle Jungen. Schon öfter hatten wir das ungewöhnlich große und starke Tier beim Vogelfang gesehen, ohne daran zu denken, daß sie auch unseren schnurrigen Eichkatzen nachstellen würde. Was nutzte es nun, wenn wir, mit Kieselsteinen bewaffnet auf den frechen Räuber los gingen und ihm mit einem wohlgezielten Wurf die Lust für weitere Besuche nahmen? Unsere langschwänzigen Freunde waren tot. Auch die Alten verließen uns für eine Weile und strichen wehklagend umher. Unruhig und traurig kreuzten sie um ihr verlassenes Revier.
Beim Sammeln von Pilzen und Brennholz oder beim ziellosen Herumstreifen fingen wir häufig einen Junghasen ein, den wir zu unserer Belustigung in der Hütte herumtollen ließen. Bei näherer Untersuchung ergab sich jedoch, daß Meister Lampe Flöhe hatte und wir ihn schleunigst der Freiheit zurückgeben mußten. Einmal kamst du mit einem Igel an, diesem ulkigen, amüsanten Gesellen. Wir setzten ihn in unseren Garten und konnten den Burschen bei seinen abendlichen Beutezügen beobachten. Das Tier machte uns riesigen Spaß und gern hätten wir es angesiedelt, um immer seine possierlichen Einfälle und Bewegungen vor Augen zu haben. Doch ließ sich der Querkopf nicht lange halten. Wir waren arme Schlucker und hatten nicht einmal ein paar Mäuse für seine Verpflegung zu bieten. Gewöhnlich aber besuchten wir die Tiere an ihren Nist- und Brutstätten. Die Jungkitze der Rehricken in der Heide, die Fasanen und Füchse in der Kiefernschonung, die Schackelstern in den Bäumen am Ackersaum und vieles andere Getier, wo es seine Behausung hatte.
Dieses Leben begeisterte mich. Es war mir aber nur am Wochenende vergönnt, denn ich mußte immer wieder zur Arbeitsstätte zurück, während du die Bienen versorgtest und als glücklicher Einsiedler im Walde bleiben konntest. Meine Abhängigkeit bedrückte mich mehr und mehr. Was nutzte mir der verhältnismäßig gute Verdienst? Ich benötigte nicht viel zum Leben, verschleuderte kein Geld, rauchte nicht, Trank nicht und mied die zweifelhaften Vergnügungen und Tingeltangel. Weshalb also Tag für Tag schuften und dem raffgierigem Unternehmer die Taschen füllen? Haderte ich nicht schon lange mit der bürgerlichen Gesellschaft? Hatte ich nicht erkannt, trotz meiner 19 Jahre, daß der besitzlose Arbeiter nur ein Ausbeutungsobjekt war, dessen körperliche und geistige Kräfte zur Erhöhung des Profites einiger Weniger dienten, die im Luxus schwelgten? Diese inneren Auseinandersetzungen verschärften sich durch die Begegnung mit dir und deinem einfachen aber königlichen freien Dasein. Ich fühlte, daß ich bald alles Gewohnte verlassen und zu dir in den Wald ziehen würde. Was bot mir eigentlich Berlin? Die ewig fiebernde, von Unrast bewegte Millionenstadt? Hielten die künstlerischen Genüsse, die mir als Arbeiterjunge doch nur in begrenzter Weise zugänglich waren, dem Sklavendasein die Waage, zu dem mich die harte Arbeit zwang? Hatte ich mich in den Mauern dieser Festung aus Beton und Ziegel auch nur annähernd so glücklich gefühlt, wie in den weiten, grünen Wäldern? War mein jahrelanges Hinausstürmen, mein Hang zum Wandern nicht nur ein Mittel zur Betäubung der inneren Widersprüche? Wollte ich so für immer dahinvegetieren und niemals den Versuch einer Änderung wagen? Heißer Aufruhr loderte in meinem Herzen. Immer mehr empörte sich der Geist gegen die hinterhältige Tyrannei des Goldes, die das zwanzigste Jahrhunderte beherrschte und den Menschen in Ketten legte.
Eines Tages lag das alles hinter mir. Mit einem Haufen Bücher, die ich aus den Antiquariaten Berlins zusammengetragen hatte und etwas gespartem Geld _ einigen hundert Mark, mit denen die neue Welt aufgebaut werden sollte. Außerdem brachte ich noch eine Gitarre und eine Geige, etwas Wäsche und hauswirtschaftliche Kleinigkeiten mit. Mir war nicht wohl zu Mute. Der Sprung aus meiner Angestelltenanstellung in das Eremitendasein des Waldes schien mir doch reichlich gewagt. Als ich dir meine Zweifel mitteilte, meintest du lächelnd: Sei ohne Sorge, wir nehmen etwas Pachtland hinzu, erweitern die Imkerei und sammeln Pilze und Beeren. Das wird für uns genügen."
Hier möchte ich einschalten, daß auch starke politische Momente mitspielten und den Entschluß, im Frühjahr 1933, kurz nach der Machtübernahme Hitlers aus Berlin heraus in den Wald zu ziehen, beeinflußten. Ich verließ meinen Beruf als Zuschneider in der Herrenkonfektion, nach der entschiedenen Weigerung, Uniformröcke und SA-Kleidung herzurichten, und wollte meine Arbeit auf keinen Fall dem faschistischen Staat und seinen Kriegsvorbereitungen zur Verfügung stellen.- Da es in Deutschland zur Zeit viele Arbeitslose gab, stand dem Vorhaben von behördlicher Seite aus nichts im Wege. Erst als die Rüstungen anliefen und Arbeiter fehlten, begann man nach mir zu suchen. Durch Wohnungsummeldungen am laufenden Band, die nur als Tarnung dienten, gelang es mir, den Häschern bis 1940 zu entgehen. Davon berichtet eine spätere Fußnote.
Das neue Leben mit dir begann. Ein Leben unter gänzlich veränderten Bedingungen. Mußten wir doch, ganz auf uns selbst gestellt, alle mit der menschlichen Existenz verknüpften Arbeiten allein verrichten. Da unsere äußeren Ansprüche gering waren, wurden wir mit dem Problem schnell fertig. Dagegen tauchten im Anfang andere Schwierigkeiten auf, an die ich überhaupt nicht gedacht hatte. Die Einsamkeit, welche ich so sehnlich suchte, überfiel mich hier in einem Maße, daß sie mich schier erdrücken wollte. Unsere Verbindung nach außen riß völlig ab. Mehrere Wochen streiften wir in den Wäldern umher, ohne einen Menschen zu sehen. Erst nach längerer Zeit machten wir die Bekanntschaft mit einem 70jährigen Manne, der bald noch einen rüstigen Graukopf mitbrachte. Es dauerte aber bis sie den beiden Jungen im Busch Vertrauen schenkten. Wir hatten viel Mühe mit ihnen bis sie verstanden, weshalb wir hier gelandet waren. Unser Weg und Ziel kristallisierte sich ja erst allmählich aus vielen Ideen und Gedanken heraus, die wir den Büchern entnahmen, und die uns zuerst mehr den Kopf verwirren als klären halfen. (Man muß hier daran denken, daß 1933 die sozialistischen Parteien und die gesamte marxistische Literatur verboten wurden und unsere diesbezüglichen Verbindungen völlig abrissen. Da wir wissensdurstig und bildungshungrig waren, nahmen wir alle erreichbaren Bücher noch zur Hand und suchten unsere geistige Entwicklung auf diese Weise zu fördern.)
So gingen die ersten Wochen vorüber. Du nahmst mich täglich mit auf den Bienenstand und zeigtest mir die zu verrichtenden Arbeiten. Ich lernte von dir den Umgang mit den Immen kennen, der große Gefühlstiefe voraussetzt. Denn wer ein richtiger Bienenvater werden will, muß von innerlicher Ruhe getragen sein und alle Hantierungen an den Ständen still und gelassen vornehmen. Das war eine Aufgabe, die deiner Veranlagung entsprach. Du warst ein Beschützer und Betreuer der Bienen, wie sie sich keinen besseren wünschen konnten. Dir war diese Beschäftigung eine innere Verpflichtung. Deshalb sah ich dich niemals roh oder gefühllos mit den kleinen Honigsammlern verkehren. Die zwanzig Völker, die du von einem verstorbenen Onkel erbtest, hast du sorgsam gepflegt. Oft rief es das Erstaunen der zahlreichen Besucher hervor, wenn du am Bienenstand tätig warst, barfüßig, ohne Maske und Handschuhe, nur mit einer Sporthose bekleidet, und sich auf deinen braungebrannten Körper hunderte Immen setzten, um nach einer Weile wieder fortzufliegen. Unvergeßlich wird auch mir das Bild bleiben, dich in deiner bezwingenden Ruhe in einer Wolke dieser kleinen beflügelten Geschöpfe stehen zu sehen. Nur bei der Honigentnahme sah ich dich angezogen und mit einer Haube bewehrt, die Waben aus den Kästen entnehmen. In der Schwarmperiode fingst du die Schwärme mit Leichtigkeit von den umstehenden Bäumen. Setzte es doch mal einen Stich, bei bestimmten Witterungseinflüssen ist das unvermeidlich, zucktest du trotz des Schmerzes kaum mit den Augen. Als ich mit dir andere Stände besuchte und im Laufe der Jahre viele Imker hantieren sah, bemerkte ich, daß du sie alle überragtest. Die Bienenzucht war in deiner Familie zur Tradition geworden. Schon mit 12 hattest du dich an dem Bau von verschiedenen Bienenbauten beteiligt. Die Arbeit am Stande war eine laufende Kontrolle, eine ununterbrochene Beobachtung, um die Gesetze der Immengemeinschaft zu studieren und die kleinen Sonnenkinder dem Menschen in schonender Weise dienstbar zu machen. Die summenden Insekten waren kein Ausbeutungsobjekt für dich. Du liebtest sie und bist ihnen bis zu deinem Tode hin ein treuer Freund geblieben. Trotz dieser Beschäftigung hatten wir Muße genug, um vor den bunten Kästen im Grase zu liegen, und dem gleichmäßigen Summen zu lauschen. Aus dieser Musik entnahmst du die Stärke und das allgemeine Befinden des betreffenden Volkes. An kalten Tagen, besonders im Frühling, wenn die Sonne die Bienen zum Ausflug lockte, obwohl die Temperatur für diese wärmehungrigen Seelen noch viel zu niedrig war, sammeltest du die Tierchen, welche beim Rückflug erklammten und bei der Landung auf das Flugbrett zu Boden fielen, einzeln von der Erde auf gabst ihnen neues Leben mit dem Hauche deines Mundes und ließest sie in ihre Behausung einlaufen. Kein Tag verging, an dem du nicht den Stand besuchtest. Deine Beobachtungen erstreckten sich jedoch fast immer nur auf äußere Merkmale. An dem Benehmen der Immen vor dem Flugloch, ihrem zufriedenen, unruhigen oder zornigen Summen erkanntest du, was nötig tat. Ins innere der Beuten schautest du selten nach. Wenn es geschah, nahmst du es gründlich vor, mit dem Notizbuch in der Hand, in dem alle charakteristischen Merkmale der einzelnen Völker verzeichnet standen. Unsere beiden alten, im Herzen aber jungen Freunde kamen nun häufig und ließen sich von dir die Gesetze des Bienenstaates erklären. Ich beobachtete gern wie du ihnen Erläuterungen gabst. Von deiner Ruhe beeindruckt, gingen sie mutig, fast sorglos an die gefürchteten Insekten heran und überwanden die Angst vor eventuellen Stichen. Das war besonders der Fall, wenn sie sahen, wie du, falls dich doch mal eine Biene stach, das Tierchen vorsichtig samt seines Stachels aus der Haut herausbrachtest. Die Kunst habe ich nie gelernt. Du hattest eine wunderbare Hand und konntest mit ihr vielen Immen das Leben retten. Bekanntlich müssen die Bienen sterben, wenn sie gestochen haben. Ihr Stachel ist mit einem Widerhaken versehen und reißt den Hinterleib des Tieres auf, sobald die Biene ihn wieder nach dem Stich aus der Haut des Menschen herauszubringen sucht. Mit der dir eigenen äußeren und inneren Ruhe brachtest du das Kunststück fertig. Du befreitest sie ohne sie zu beschädigen Was hast du den Freunden alles gezeigt: Die Königin, den Drohnenbau, die gesamte Entwicklung von der Bestiftung bis zur ausgewachsenen Biene, die Schönheit und Zweckmäßigkeit der Zelle, den Pollen _ und Honigvorrat zur Aufzucht der Brut und andere interessante Einzelheiten. Die von dir dabei gegebenen Erläuterungen gingen auch in technischen Fragen weniger vom Verstande, als von deinem Gefühl und menschlichen Empfinden aus. Du warst nicht der Herr der Immen, sondern ihr Beschützer. In meiner Lehrzeit bei dir am Stand geschah es einmal, daß wir eine Durchsicht angeblasener Weiselnäpfe, das sind bestiftete Königszellen, vornahmen. Dabei schlug das aufgeklappte, schwere Dach des Bienenkastens durch eine von dir verursachte falsche Armbewegung herunter und wirbelte 30 000 Bienen durcheinander. Wir erschraken beide bis ins Innerste. Jeder wußte was auf dem Spiele stand. Unsere nur mit einer kurzen Hose bekleideten nackten Körper boten den wütenden Bienen ein lohnendes Ziel. Jede unvorsichtige Hantierung konnte unseren Tod herbeiführen, denn der Mensch soll nur etwa 50 Stiche ertragen können. Keiner rührte sich, obwohl uns vor Schmerzen der Atem ausging und die empörten Insekten unbarmherzig stachen. Wir dachten nur, wird es der Freund aushalten und stillstehen ohne zu Zittern und Zucken? Denn nur so konnten wir der Gefahr begegnen. Allmählich verebbte die Wut der Immen. Langsam konnten wir in das Gebüsch zurückweichen. Wie vom Fieber geschüttelt, mit schweißener Stirn und wahnsinnigen Schmerzen lag ich im Grase und hätte dich am liebsten mit Vorwürfen überhäuft. Du aber sagtest nur: Wehe, wenn du gelaufen wärst! Wir wären verloren gewesen. Deine Generalprobe hast du bestanden."
Die Geschichte hat uns Menschen gelehrt, dass alle großen Erfindungen für oder gegen den Menschen verwendet werden können. Und wenn etwas gegen den Menschen verwendet werden kann, gibt es natürlich auch Menschen, die sich das für ihre Zwecke zunutze machen. So war es, wenn wir rückblickend die Geschichte betrachten _ und so ist es auch mit dem relativ neuen Medium Internet.
In der Geschichte der Menschheit haben sich die politischen und wirtschaftlichen Systeme durchgesetzt, die innerhalb ihrer Reihen die grösseren Barbaren mit den besseren Waffen hatten. Die Pyramiden und andere große, zu den Weltwundern zählende Bauwerke sind z.B. nur dadurch entstanden, dass man über die Erfindung des Rades bis hin zu heutigen Transportmitteln Fahrzeuge entwickelte, die Menschen und Material schnell und massenhaft an bestimmte Punkte transportieren konnten. Schon die Römer beherrschten perfekt die Kunst der Waffenherstellung und Kampftechniken, die dazu dienten, Gegner massenhaft zu vernichten. Der christliche Glaube bemächtigte sich in seinem Bestreben, ein Imperium aufzubauen, der Schrift und der damit verbundenen Propaganda ebenso wie der Kreuzzüge und der damit verbundenen Gewalt durch Waffen.
Gerade aus unserer deutschen Geschichte ist erkennbar, dass neue technische Errungenschaften von machtgierigen Barbaren benutzt wurden, um Macht und Reichtum aufzubauen. Im ersten Weltkrieg bediente sich der Kaiser der ersten chemischen Kampfstoffe _ sein Nachfolger Adolf Hitler nutzte gezielt das damals neue Medium Rundfunk, um die Menschen in seinem Sinne zu beeinflussen und gegen andere bzw. gegeneinander aufzuhetzen.
Im Klartext soll das heißen:
Es liegt an uns, an den Menschen, in eigener Verantwortung ein neues Medium positiv im humanitären Sinne zu nutzen. Wir sollten neben dem kommerziellen Nutzen im Internet die einmalige Chance sehen, weltweit mit human denkenden Menschen in Kontakt treten zu können. Wenn es heute möglich ist, Maschinen zu bauen, die wie Menschen reden und handeln und damit Menschen zu produzieren, die wie Maschinen handeln, haben wir etwas falsch gemacht. Nach all unseren schrecklichen Erfahrungen ist es an der Zeit, erstmals ein neues Medium so zu verwenden, dass die soziale und emotionale Intelligenz des Menschen gefördert wird. Erstmals zum Beispiel haben wir in der Geschichte von Deutschland die Möglichkeit, Informationen über die Qualität der politischen Arbeit in Form von Fachberichten abzurufen und sind nicht mehr abhängig von politischen Rethorikern und Selbstdarstellern, die uns aus irgendwelchen partei- oder persönlichen Gründen Informationen vorenthalten.
Spinnt man den Faden weiter, so kann man sich vorstellen, dass die Politik eines Tages weitaus demokratischer gestaltet werden kann als bisher. Wenn, wie es in naher Zukunft sein wird, in jedem Haushalt ein PC steht und er eingeschaltet und genutzt wird wie zum Beispiel Radio oder Fernsehen, können wir unsere Politiker von zuhause aus und direkt wählen. Zumindest in der Kommunalpolitik wäre der Umweg über eine Partei mit ihren Zwängen und Bindungen nicht mehr nötig und der Politiker könnte seine ureigenste Gesinnung, Meinung und sein Können darstellen und genau danach gewählt werden.
Natürlich darf es nicht so sein, dass man nur noch vor seinem PC sitzt _ über das Erfahrene und die gebildete Meinung sollte oder muss mit anderen diskutiert und gesprochen werden, mit Freunden, Bekannten und Verwandten. Aber auch hier kann der Einzelne über seine kleine Welt hinaus durch Chatten, Tickern oder Mailen Kontakt aufnehmen mit Menschen aus der ganzen Welt. Über Hunderte und Tausende Kilometer hinweg ist es möglich, Meinungen auszutauschen und andere Meinungen und Gesichtspunkte kennen zu lernen.
Man begegnet Leuten und verliert den Kontakt wieder _ wie im wirklichen Leben. Und ab und zu finden sich Menschen, die sich mögen, Freunde fürs Leben werden oder zumindest für eine lange Zeit. Oft ist man beim Chatten dem Anderen gegenüber offener und ehrlicher, als man das gegenüber einem Nachbarn oder Kollegen wäre. Leute aus allen Gesellschaftsschichten und Altersklassen kommunizieren miteinander; im Vordergrund steht nur das geschriebene Wort und die Meinung, die man vertritt _ Vorurteile aufgrund von Aussehen, Behinderung usw. kommen gar nicht erst auf.
Es macht betroffen und traurig, wenn man erfährt, dass jemand, mit dem man öfter getickert hat und den man nicht mehr trifft, gestorben ist. Es kommt vor, dass sich einige Chatter zusammen tun und sich um die Familie, die Kinder kümmern. Und man freut sich über Paare, die sich im Chat getroffen, verliebt haben und beschließen, ihr Leben gemeinsam fortzusetzen. Gerade, weil das Aussehen und die Gesellschaftsschicht beim ersten Kontakt nicht entscheidend sind, finden Menschen zueinander, die sich sonst nie kennengelernt hätten.
Wer nicht die Möglichkeit hat, weit zu reisen, hat im Internet zumindest die Möglichkeit, Kontakte mit Menschen aus anderen Ländern aufzunehmen und diese vielleicht später einmal kennen zu lernen.
Aus all dem ergibt sich, dass es nur an dem Einzelnen liegt, was er aus dem Internet genauso wie aus seinem Leben macht. Das Internet macht nicht einsam, nein, es fördert den Kontakt der Menschen untereinander. Wer behauptet, durch das Internet einsam geworden zu sein, der war es auch schon, bevor er den Internetzugang hatte.
Beschwingtes Gefühl
Eines Vogels, der
Bei kurz unterbrochenem Flug
Auf dem Zaune sitzt -
Ausschau haltend
Nach beiden Seiten.
Schmerzlich ungeborgen
Aber frei...
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| zuletzt aktualisiert am 29.07.2000 - © ÖKOSTADT e. V. | ÖKOSTADT-Nachrichten |